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Der jüdische Student · 1912-07-26 · Heft 4 (26.7.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 4 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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IIÖ -Der jüdische Student jüdischen Kulturideals unsere gemeinschaftlichen und persönlichen Lebensformen,, wenn nicht neu schaffen, so doch neu beleben, oder, falls inhalt- und wertlos,, entschlossen fallen lassen. Gegenüber unseren Kneipen geraten junge Semester leicht in Zweifel. Viele sind so nüchtern und farblos, erzeugen eine so erdrückend gequälte Stimmung, daß man sie für eine der tragikomischesten Erscheinungen der durch die eben verklungene Tendenzrede so männlich verdammten Assimilation halten muß. Wo aber Wort und Tat gegeneinander sind, da wirkt die kleinste Tat stärker als das größte Wort. (Die nüchternste Kneipe habe ich mit den Worten eröffnen hören: „Unsere Gäste mögen sich davon überzeugen, wie wir unsereFeste zufeiern verstehen!; Andere Kneipen finden allseitigen Beifall und lassen die entgegengesetzte Vorstellung aufkommen, daß erst wir Juden den germanischen Trinksitten springendes Leben, überschäumendes Temperament verliehen haben.' Diese Verschiedenheit erklärt sich teilweise daraus, daß wir unseren jungen Chargierten keine festen Traditionen übermitteln; jeder muß sich seine Erfahrungen aus Mißerfolgen selberschaffen, statt ein überkommenes Gut mehren zu können. Ich bin für Kneipen, wie sicher alle, die auch nur einmal jenen Grad höchster sorgenfreier Entspannung, jene taumelnde Leichtigkeit des Lebens erreicht haben, die ihr Ziel sind. Wahllos will ich einige gute und schlechte Erfahrungen aus meiner Praxis besprechen. Wir kennen die gewöhnlichen Kneipen unter Bundesbrüdern und die größeren Kneipen zu Werbezwecken für die Oeffentlichkeit, meist Keilkneipen. Wer hat nicht schon auf internen Kneipen eine sinnlose Förmlichkeit und bedauerlichen Stimmungsmangel, auf exfernen den vorzeitigen Wegfall aller Zurückhaltung, die Auflösung alier Kneipdisziplin ohne Rücksicht auf weniger animierte Gäste peinlich empfunden! Verschiedener Zweck bedingt verschiedene Formen.. Auf einer internen Kneipe fallen für den Präsiden die Pflichten der Repräsentation nach außen völlig weg. die auf öffentlichen äußerst wichtig sind. Junge Chargierte sind ihnen häufig nicht gewachsen. Der Tendenzredner kann dann nicht ausgleichen, was der Präside an schwungvollem und doch sicher beherrschtem Auftreten vermissen läßt. Dies muß man gelernt haben und können; man kann es nur falsch oder richtig machen, nicht auf dreißig verschiedene Arten, jeder Kneipenleiter muß wissen, daß die Eröffnungs- und Begrüßungsformen ziemlich starr sind, und trotzdem wie ein x-mal des Tags wiederholter Gruß immer mit frischem Schneid erfüllt werden müssen; daß er in allen Gesten und Worten Vertreter der Korporation oder des Bundes ist und bei dieser Gelegenheit sich - persönlicher — noch so guter — Bemerkungen zu e n t h a 11en h at.

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