Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 4 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student £13 der, man . sich schämt, die'zürnt. In einem Punkte unterscheidet sie sich allerdings zum Glücke von leibhaftigen Personen: Je höhere Ansprüche man an einen Menschen stellt, den man liebt oder ehrt, um so leichter ist man schmerzlichen Enttäuschungen ausgesetzt; die Korporation dagegen wird gerade umso mehr befriedigen, je mehr man — natürlich nicht ein Einzelner, sondern die Mehrzahl oder möglichst alle, die ihr angehören — von ihr erwartet; denn jemehr einer von ihr verlangt, desto mehr wird er von sich, dem Teil des Ganzen fordern; müssen und desto mehr wird daher schließlich das Gesamtbild sich dem gewünschten Ideal nähern: Wenn alle vom rechten Geiste erfüllt sind, findet so eine stete Steigerung des Willens und der Tat statt. Liebe Füxe! ich möchte, daß Ihr Euch mit diesem rechten Geist gehörig erfüllt! Erkennt in dem Bunde, dem Ihr Euch angescMossen habt,, eine Organisation, berufen und fähig, eine entscheidende Rolle im Kampfe für Rettung und Auferstehung des jüdfechen Volkes zu spielen! Wisset, daß dazu jeder nicht nur an diesem Werke mittun wollen, sondern auch wirklich alle selke Kräfte anzuspannen bereit sein muß! Empfindet, daß es dann eine stolze Sache ist,, V. J. St.-er zu sein, und pflegt diesen Stolz in Euch! Denkt, ohne deshalb gegen andere überhebend zu werden, daß Eure Korporation es sein muß, die au jedem Werke und dem größten, das für das jüdische Volk geschahen muß, die Hauptarbeit tut! Denn dann werdet Ihr selbst, jeder von sich, die Höchstleistungen erzielen, deren Ihr iahig seid. Vergeßt nicht, daß Ihr " das Gefühl der Bundesbrüderlichkeit hierzu unerschütterlich stark machen müßt, daß jeder dem andern so viel guten Willen und Treue darbieten muß, als er selbst von ihm erwartet. Und fasset den festen Vorsatz, daß Ihr das Feuer jugendlicher Begeisterung, das wir jetzt hoffentlich im Euch .lodern sehen können, auch später als Philister in dm Sorgen des Alltags nicht verglimmen lassen wollt. Entwickelt Euch zu rechten V.J. St.-er Bursdtaen und Alten Herren! Ich bin mit herzlichen bundesbrüderlichsn Grüßen Eues Erich Rosenkranz