Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 4 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Der Jüdische Student Zufall erster Bekanntschaften, den Zufall der augenblicklichen Zusammensetzung des -Vereins nach Zahl und Eigenschaft der Bundesbrüder, den Zufall örtlicher Ereignisse oder Ereignislosigkeit und die kleinen Zufälligkeiten, welche die Laune heben oder drücken können. An diejenigen, welche von ihrem ersten Aktivitätssemester nicht voll befriedigt sind, wende ich mich daher in erster Linie. Denn ebenso wie die nationale Auffassung des Judeseins nicht nur durch das ursprüngliche Gefühl erfaßt, sondern auch durch rein verstandesmäßige Erwägungen erarbeitet werden kann, so läßt sich auch der Wille zum B.J. C, wenn die „Liebe auf den ersten Blick" nicht entflammt wird, durch Nachdenken stärken. Aber in fast dem gleichen Maße möchte ich auf diejenigen einwirken, welche mit ihrem ersten Fuxensemester zufrieden sind: denn sie. mögen sich klar machen, daß bei der Größe unserer Aufgabe selbst der anständigste status quo durch einen noch besseren ersetzt werden kann, daß das Ideal, dem die Korporation als solche nachzustreben hat, stets ein gut Stück vor der am weitesten vorgeschobenen Stellung liegt. Was Organisation überhaupt bedeutet, besonders wenn nationale Ideale und politische Ziele in Frage stehen, darüber braucht man heute wohl kaum ein- Wort .mehr zu verlieren. Nicht jeder ist ein Wilhelm Teil und auch ein Dutzend vom Temperament des Augenblicks geborene Tellsiaten befreien ohne Rütlibund keine Schweiz aus nationaler Not. Im enggeschlossenen Bruderbund der Korporation, wie der V.J. St. eine ist, wird die Macht jeder Organisierung, die Kräfte nicht nur zu summieren, sondern auch zu potenzieren, noch wesentlich stärker: Der eine hat im andern nicht nur den Gesinnungsgenossen, den Gleichstrebenden, er hat in ihm den Freund und Bruder zu erblicken; durch das Gefühl des Haltes, der Deckung durch alle andern, das sich hieraus ergiebt, wird das Kraftgefühl eines Jeden gehoben, die Wucht seiner Entschlüsse und seines Handelns vervielfacht. Und -da jeder merken muß, daß darum die Korporation " mehr leisten kann, als die Summe der Leistungen der Einzelnen ohne sie ausmachen würde, muß die Korporation in der Verstellung aus der Abstraktion heraustreten und zu einer selbständigen Persönlichkeit werden, die man liebt, die fordert, vor