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Der jüdische Student · 1912-06-24 · Heft 3 (24.6.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 3 (24.6.1912)
Date
1912-06-24
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Der jüdische Student 9t was sich-diejenigen vorstellen, die unseren jungen Füxen "das Judentum in universalistischer Beziehung" und ähnliche Themata zur Bearbeitung übertragen? Es ist bei uns Sitte geworden, .daß man von den Füxen schon — den begabteren wenigstens — eine eigene jüdische Philosophie und Geschichtsauffassung, oder zum mindesten eine eigene Theorie und Begründung der jüdisch-zionistischen Politik verlangt. Dazu scheinen außer den Tendenzreden auch die Burschenarbeiten benutzt zu werden. Das ist aber nicht nur falsch, das ist gefährlich! Der junge Fux muß ja dazu kommen, sich selbst für ein Genie zu halten, der allmählich Kant in der Philosophie und Herz! in der Politik überholen oder zum mindesten kritisieren kann. Das führt zu •einer rein intellektuellen Bewertung unseres Nachwuchses und zum Sektierertum. Wir haben alle eine gemeinsame Tendenz und eine gemeinsame jüdische Anschauung, von der aus wir •die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des jüdischen Geschehens ansehen. Diese Tendenz ist einfach und leichtfaßlich, .aber man muß sich in sie einleben; sie ist zugleich eine Lebensauffassung, die mehr Sache des Gefühls und Charakters als des Verstandes ist. Die Burschenarbeiten sind dazu "da, zu zeigen, -daß der junge Fux . die Ereignisse und die Entwicklung des modernen jüdischen Lebens und unserer Geschichte unter diesem Gesichtswinkel anzusehen gelernt hat. Ebenso wie der junge Mediziner-im Physikum nicht ein Werk Ober die Anatomie des menschlichen Körpers zu schreiben hat, sonden nur einen einzelnen Arm nach der bei seinem. Professor erlernten Methode zu präparieren hat, so sollen-auch unsere Barschenarbeiten nur Beweise dafür sein, daß unsere Füxe eine Detailfrage des jüdischen Lebens nach der bei uns üblichen und traditionellen Methode zu beurteilen imstande sind. Bei der Stellung der Themen ist also — wenn ich alles zusammenfasse — in erster Linie zu berücksichtigen, daß die Arbeiten innerhalb eines Zeitraumes von vier Wochen angefertigt werden, und daß die Füxe außer ihrem Fachstudium doch auch durch die Korporation stark in Anspruch genommen sind. Die Arbeiten müssen ferner auf die geistige Leistungsfähigkeit von Studenten berechnet sein, die vor einem Jahre noch Oberprimaner gewesen sind und die keine Jüdische Vorbildung haben. Der Zweck der schriftlichen Arbeiten ist der, festzu-

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