Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 3 (24.6.1912)
- Date
- 1912-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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S4 Der jüdische Student fischen Typus darstellte, so hatte er innerlich die Fähigkeit unbedingter Hingabe an eine Idee, die oft genug schon im Judentum aufflammte. Sein Büchlein „Der Judenstaat" hat ein großes Aufsehen eiregt: eine Bewegung ist daran aufgeglommen, die nach Ausdehnung und Heftigkeit vielleicht seit den Tagen des Sabbatai Zewy im Judentum ohne Gleichen ist. Verbände sind, geschaffen worden und umspannen die ganze Welt; Kongresse wurden einberufen und tagten unter seinem Vorsitze, an denen Delegierte aus aller Herren Ländern teilnahmen, in denen zum Ewig-Einzigen gebetet wird. Es muß manchmal, ganz besonders in den Anfängen, eine ähnliche Stimmung gewaltet haben, wie auf dem Konzil von Clermont, da eine Idee die Anwesenden ergriff und mit religiösen Estasen füllte. Nur treten die Ideen heute nicht mehr so elementar in Wirksamkeit wie einstmals. Immerhin hat sich Erstaunliches begeben: Mähner,, die man innerlich längst völlig dem Abendlande zugewendet glaubte, fühlten sich erfaßt und mitgerissen von der Gewalt des Stromes, der sich wiederum nach Osten kehren wollte. Aus den Beiträgen der Armen und Aermsfen sind große Summen für alle möglichen Zwecke gesammet worden, eine Bank mit einem sehr ansehnlichen Aktienkapital ward geschaffen, deren Teilhaber wiederum zum größten Teile die Mühseligen und Beuürftigen waren. Spott und Verdächtigung waren anfangs jedem Schritte Dr. Herzls und der Seinen gefolgt; sie haben ihn nicht beirrt noch verstummen gemacht. Es war ein merkwürdiges Schauspiel, wie dieser Wiener Journalist, ohne alle offizielle Stütze, nur getragen vom Vertrauen und der unerhörten Anbetung Hunderttausende!', mit Papst und Sultan und englischen Ministerien verhandelte.; hier fast ein König, dort, seinem Blatte gegenüber, der gefreue und gewissenhafte Mitarbeiter. Merkwürdig und sicherlich beispiellos und schon durch die hohe Ethik seiner Bemühungen und ihre Uneigennützigkeit hinausragend über das Werk Henry Mac Stanleys. Der frühe Tod .Herzls "muß ein schwerer Schlag für den Zionismus sein. Der Führer ist verschwunden und wird nicht leicht zu ersetzen sein. Ohnedies hatte man sich nähere Ziele setzen müssen. Der Erwerb von Palästina war als für eine auch fernere Zukunft aussichtslos vertagt worden; gerade an der Möglichkeit eines Besitzes der heiligen Stätten, dahin so viele von ihnen wallfahren, um mindestens dort zu sterben, hatte sich die Phantasie der Volksgenossen aus dem Osten entzündet, und näheren Zielen brachten s;e wenig Begeisterung entgegen. Es erhoben sich neue und bösartige Angriffe gegen ihn. Sie mögen den Mann, der sich immer beherrschte und niemals, so sehr er einen guten Schwank lieble, seiner fast feierlichen Würde vorder Oeffentlichkeit vergaß, herzwunder gemacht haben, als er sich so schon fühlte, mit Schuld an ' semefri vörzeititgen' Ende ge-