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Der jüdische Student · 1912-06-24 · Heft 3 (24.6.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 3 (24.6.1912)
Date
1912-06-24
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Der jüdische Student JT3 Zweifler, der sich an die Kindesseele klammert, damit er nicht ganz ohne Halt sei auf dieser Erde. Ein dünnes Fädchen: Wer aber ein Kind sein nenr; nichts verbinde! so mit der Welt wie dieser letzte unzerbrechliche Ring, den der scffee Kerkermeister Leben der Kette einfügt, damit die ihm Verfallenen ans Sein gefesselt sind; sie verlängernd um ein Endchen und unzerbrechlich machend, wenn er besorgt, man könnte.skh gewaltsam vor ihm flüchten wollen. Unter Herzls Kinderreuükiions sind lücken- . lose Meisterstücke der liebevollsten Beobachtung und Erzählungskunst. Er war ein feiner Stilist. Immer war in miner Sprache Anmut, Glanz und Fülle. Man hatte immer dm behagliche Gefühl, jemanden schaffen zu sehen, der seiner Kuustmittel vollkommen sicher ist und sie mit jener spielerischen Leichtigkeit gebraucht, die so mühelos erscheint und deranoch ganz eigene Anlagen .und das ernsteste Wollen bei ihrer Entwicklung voraussetzt Es sind lyrische Partien von hödfeter Schönheit in seinen Feuilletons. Die Poesie der wenigen Matur, die sich in der Stadt erhalten hat, etwa des Schwarzemberggartens, der Schülerliebe, die von nahen und drängenden IMifungsschmerzen überschattet wird, drückt er rein und diehteri&rh aus. Er liebt bizarre Ausgangspunkte, was aber aus. ihnen ließt, ist mit einer strengen Logik und mit wahrem und reichem Geist entwickelt und durchgeführt. Er steht geistig frei und Broch genug, sich dorthin stellen zu dürfen, wohin es ihm betkbt; und mißfällt einem die Sache, die er verficht — man vergißt nur zu gerne, daß es eine reine und durchaus ästhetische Freude ist, einen Meister in Schirm und Jlieb gleich i^m die Klinge führen zu sehen. Er wird niemals leer oder platt; es ist ein Glitzern und Flirren über seiner Sprache, das manchmal wkht ohne Absicht blendet; aber eine Trivialität ist ihm niemals widerfahren, trotz der Hast, mit der auch er oftmals arbeiten mußte, niemais eine Sprachwidrigkeit. Er hat sich an französischen Mustern gebildet, wie alle großen Feuilletonisten vor ihn und wie jeder nach ihm zur gleichen Schule wird gehen missen, der gleiche Pfade wandeln will. Aus gutem Recht war er höchst persönlich. Ein Gallizismus ist aber bei ihm nicht dinmal in der Geschmacksrichtung nachzuweisen und über die ihm gemäße Kunstform hat er vollkommen souverän geböte. Er war wohlwollend und fördersam, bei aller Kühle eines Menschen, in dem die Erwägung herrschte umä ein immer reger Verstand Wache hielt. Ein starker und opferwilliger Idealismus lebte in ihm und er hat, neben der harten Arbeit des Berufes, Jahre seines Lebens mit zäher Rastlosigkeit .an eine große und merkwürdige Aufgabe gewendet. Der kaum jemals am eigenen Leibe den Jammer seines Volkes erfahren, der fühlte sich davon in tiefster Seele bewegt. Wie er äußerlich dien adeligen . semir^

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