Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 3 (24.6.1912)
- Date
- 1912-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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TS Der Jüdische Student Baron Hirsch. Das Volk, das er nicht kannte, fand er erst später. Am 24, November 1895 sprach er — nach einem Halbjahr „beispielloser Produktion'4 — vor den Mitgliedern des Makkahclcrklubs zuLondo n. Am 17. Januar 1896 erschien der erste Aufsatz im Jewish Chroniclc. Gegen Ende des Jahres das seltsame Buch „Der Judenstaat". Die keckste Phantasie'in rechnerischer. Zusammendrängung. Die Erlösung eines Volkes mit Aktiengesellschaften. Die Zionisten horchten auf: jedes Wort, war ihnen bekannt. Im Gegenteil: sie kannten alles besser. Und doch war jedes Wort ihnen neu. In allen Vereinen gab es nur noch eine Debatte. Aber in allen Ablehnungen und kritischer Besorgtheit gab es nur ein sicheres Gefühl: Herzl ist der Erlöser der zionistischen Verborgenheit An den Erlöser des Volkes konnten wir nicht glauben. Die Treptower Palästina-Ausstellung war im Herbst 1S96 nach Köln gewandert. Dort saß David Wolff söhn. Er hatte kaum die Broschüre Herzls gelesen, als er den Leiter der Ausstellung, Dr. J. H o I z m a n n nach Wien schickte, um festzustellen, was der Autor eigentlich für ein Wesen sei. War das Buch nur ein spielerischer Journalistenscherz oder wollte der Mann etwas? Holzmann, ein merkwürdiger Mitbürger — der später zum Islam übertrat und ahc Leibarzt Muley Hafids in den Marokkostänkereien sich bewährte — stammte angeblich aus Konstantinopel. Er studierte in Berlin Medizin und sprach nach orientalischer Art sämtliche Sprachen fließend {-falsch}. Holzmann hatte zuerst im Zion auf Herzl aufmerksam gemachi. Es war also der gegebene Mittler. Von Wien aus war er begeistert zurückgekehrt, hatte aber auf der Durchreise durch Berlin reichlich Wasser in den-Wein zu gießen gelernt. Er hatte B a m bus gesprochen, der zwar mit H e r z I rechnete, aber seine tapfere Deutlichkeit im Interesse der kleinkoionisatonschen Arbeiten fürchtete. Bambus' Politik ging dahin, die verkappten Juden für Palästina zu interessieren. So war ihm alle Arbeit "gegliedert in die Heranbildung einer kleinen, zähen und energischen wissenden Kerntruppe, die zielbewußt und planvoll die atavistischen Instinkte und geheimen Anhänglichkeiten der jüdischen Masse (zumal ihrer wohlhabenden Antührer) für jüdische Aufgaben und für palästinische Arbeiten aktivieren sollte. Gegen Herzl mußte Bambus das tiefste Mißtrauen haben. Und es ist bekannt, wie sich dieses Mißtrauen bei der Einberufung des ersten Kongresses in Gegnerschaft, auf dem zweien Kongreß zu aggressiver Feindseligkeit steigerte. Im Beginn des Jahres 1897 konnte Bambus noch hoffen, Herzl für seine Methode zu gewinnen und den Namen des angesehenen Schriftstellers für seine praktischen Pläne als Programm zu benutzen. Sein nächstes Ziel war die Begründung einer Agrarbank, die in erster Reihe den Export landwirtschaftlicher Produkte aus Palästina,.