Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 3 (24.6.1912)
- Date
- 1912-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3537599-3537600-3537603--2373-3540464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Jüdische Student 77 In Deutschland war der Tod. Der Religionsunterricht von der liberalen Herrschaft erdrückt.. Keine Organisation, die der bürgerlichen Verteidigung, sozialen 'Hilfsarfbeit, den Ehrenaufgaben für die vertriebenen Brüder, der Wissenschaft und jüdischen Lehre zusammengefaßte Kräfte gab, Und vollends nationale Interessen : man war innerlich so weit, sich bei solchem Worte zu bekreuzigen. Da kamen russische Studenten nach Berlin. Mit sich und mit den anderen ringend, fanden sie die lebendige Kraft des jüdisch-nationalen Gedankens. Xoch ganz persönlichstes Besitztum, beglückendes und verbitterndes zugleich; aber wie alles wirkliche Leben lebenzeugend!. 1892 in Mainz wurde der Verein Jung-hrael begründet. Und ein Deutscher war dabei, Heinrich Loewe. Bald trat das stärkste organisatorische Genie der deutschen Judenheit, Willy Bambus, ein. Allmählich wurde eine Brücke zur Jugend hergestellt: der erste Berliner Gymnasiast wurde heimliches Mitglied, Theodor Z 1 o c i s t i. Palästina war in den Konventikeln erobert. Berlin und Deutschland noch nicht. Schüchterne Versuche, iir die Oeffentiichkeit zu dringen, hatten wenig Erfolg Da uns keiner für lebendige Wesen . hielt, brauchten wir glicht erst totgeschwiegen zu werden. Aber das vulkanische Rumoren erschütterte das Erdreich doch — in der Ferne. Auf den Festen des Esra war die kleine Gruppe die organisierende und agitierende Macht. In den Lesehallenkämpfen schlug sich hinter der schwarzen Maske der Unparteilichkeit der wildgewordene Fanatismus. Im Juli 1905 wurde der V. J. St, gegründet. Die bleiche Farbe allgemeiner Jüdischkeit — es war fast Farblosigkeit l - war die blasse Wut der Stürmer und Dränger. 1 S9ö wurde drauHen in Treptow die Gewerbeaussteilung eröffnet und nebenan in einem lärmenden Araberdorf, das sich Kairo nannte, war ein kleiner Laden : die erste Ausstellung palästinischer Produkte; eine rechtlich-gesichene Heimstätte für alle, die dem Rausche des Palästinagedankens mit dem Rausche mit Palästinawein die. solide Grundlage geben wollten. Viele Tausende Juden kamen in die Bodega und nippten an Weingläsern von unserer Agitation. Die Zeitungen brachten freundliche Worte. Palästina fing manchem an irdischer zu werden und bis zur Grenze seines Bewußtseins zu kommen. Die Import-Gesellschaft Palästina konnte mit Ach und Krach begründet werden. Aber der jüdisch-nationale Gedanke, der seine Fülle und Erfüllung in das eine Wort „Zion" zusammendrängte, fand den Weg in die Oeffentiichkeit nicht. Da kam H e r z I. Unbeeinflußt von den zionistischen Zwergvereinen, im Gegenteil von ihrer Existenz ohne Ahnung, war er aus der Schönheit seiner Seele, aus dem Stolz seines Königssinnes, zum Judenstaat gekommen. Im Mai 1895 suchte er