Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 3 (24.6.1912)
- Date
- 1912-06-24
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Der Jüdische Student Ein Brief Theodor Herzls*) Mitgeteilt von. Dr. Theodor Z 1 o c i s t i (Be. A. H:) „Wenn die mancherlei Vorzeichen nichf trügen, so wird das. Jahr 1896 in der Geschichte der Zionsbewegung ein sehr wichtiges werden,., ein Jahr, in dem der Grundstein zu einer neuen Stufe der Entwicklungen nach vielen Richtungen hin gelegt wird." W. Josephsohn schrieb diese Worte im Juni 1896 (Zion IL Jahrg. No. 6). Willi Bambus, der sich hinter jenem Pseudonym verbirgt, hat die Dinge recht geschaut Die Zeilen hatten sich erfüllet. Die Assimilation hatte wertvolle Kräfte auf fremde Ziele gedrängt, die Substanz der jüdischen Seeje bis zu ihrer Unkenntlichkeit umgemodelt und alle nationale Hoffnung auf eine Gleichberechtigung gerichtet, in der Gleichheit und Recht zugleich Aufgabe der jüdischen Individualität waren : im Wesen nur Unterjochung aus eigenem Willen. Nur auf versteckten Altären knisterte ein armseliges Feuer. In Rußland freilich, wo das jüdische Buch Getreue hatte, konnte der nationale Traum nicht sterben. Er brauchte keinen historischen Bewußtseins, um die Kette der Geschlechter zu schmieden. In der Gegenwart war alle Vergangenheit lebendig. Sie war die Lehrmeistern!, und ihr Stichwort war: Zion. Zion konnte nur die Heimat der Geister sein, kein Tempel über den Wolken. Ein erdhaft gefügtes Haus. Not und traumhafter Idealismus trieb die Ersten hinaus in die einsamen, verdorrten Gefilde, um dort die Hütten des Lebens zu richten. Echte Pioniere, die an der Wirklichkeit zugrunde gehen konnten, um die Wirklichkeit eines jungen Strebens zu schaffen. Das war das Wunder der Biluj. Mit jeden? Steine, den ihre Golushände aus palästinischer Erde rissen, wälzten sie einen Stein von der Brust des Ghettoleides. Die Freiheitssehnsucht lernte das Atmen wieder. Erstanten Knechtseelen erschien das wohl als eine zeitraubende Beschäftigung. Lungengymnastik für Utopisten. Nur Ganz- Eingeweihte wußten, daß es solche Phantasten gab. Sie lächelten kaum. Nicht einmal der Abwehr waren ihnen jene Lichthungrigen, die man Finsterlinge nannte, wert. In Oesterreich rangen ein paar Studentenvereine um die Oeffentlichkeit. Es wareinKampf im Nebel. WasWunder,daß sich dadieKadimah, G a m a 1 a und U n i t a s die Köpfe gegenseitig einschlugen. *) ZI o eis ti gibt in der Einleitung zu dem Brief den. Inhalt eines Vortrags wieder, den er vor etwa einem Jahre im Bezirksverband Berlin gehalten hat. Das Thema jenes Abends war .„Aus der Geschichte des. "Zionismus vor Herz!4*, die anderen Redner waren Heinrich Loewe und Albert G o 1 d b e r g. Vielleicht lassen sie sich durch Z I o c i s t i s Vorgang bestimmen, auch ihre, ebenfalls hochinteressanten Mitteilungen im j."St. zu publizieren; mündliche und schriftliche Bitten waren bis jetzt erfolglos. Des Dankes aller jüngeren Bundesbrüder können sie — ebenso wie Zloci sti — sicher sein. - ec