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Der jüdische Student · 1912-05-20 · Heft 2 (20.5.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 2 (20.5.1912)
Date
1912-05-20
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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50 Der Jüdische Student folgreicher Diplomat, ein Bankengründer und Geschäftsmann größten Stils. Die Heimkehr zum Judentum hat den Mann nicht bloß zum Juden, sondern auch im eigentlichsten Sinne erst zum Menschen gemacht, indem sie alle brachliegenden 'Kräfte in ihm zur Entfaltung brachte, Kräfte, von denen er selbst vorher nichts wußte. Als er stirbt, beklagen Fürsten und Könige seinen Hingang als einen Verlust Europas. Wer nun Verständnis hat für derartige Spiele der Geschichte, sol'te der nicht einen Faden ziehen können zwischen diesen beiden Männern? Moses Mendelssohn ging aus vom Judentum und wurde eine Spezialität, das Unikum seiner Zeit. Theodor Herzl kehrte heim und wurde zum Typus. Die inkarnierte Lösung der jüdischen Individualitätsfrage ist er. Ein Entwurzelter, der den Boden seiner Kraft wiedergefunden hat Ein Haltloser, der eine herrliche, kraftvolle und harmonische Menschennatur ist, weil er wieder Jude werden konnte. Möge der Juden 20. Jahrhundert lernen, das in ihm zu erblicken, was er war, ist und bleiben wird : Das Symbol der Selbsibefreiung. Die Vereinigung Jüdischer Studierender zu Leipzig bezweckt die Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins durch Zusammenschluß der jüdischen Studenten, durch Verbreitung der Kenntnisse in jüdischer Geschichte und Literatur und durch Stärkung der Körperkraft und Gewandtheit. Wir wollen das jüdische Selbstbewußtsein heben; das heißt: wir wollen das Bewußtsein, Jude zu sein, in uns heben und es zu einem Stolze machen. Warum wollen wir das? Weil wir Einem großen Ideale dienen: der Wiedergeburt des Judentums. Wir verstehen darunter, daß die auseinanderstrebenden Glieder des jüdischen Stammes sich geistig und kulturell wieder zusammenschließen und daß seine Eigenart wieder gekräftigt werde. *) Dieser Aufruf, von Martin B u b e r (der damals V. J. St.-er war) ververfaßt erschien im Dezember 1S9S als Werbeschrift für den neu gegründeten V.J. St. Leipzig. Herrn Dr. E I i a s b e rg, einem allen Leipziger V. J. St.-er, sind wir für die Gestaltung des Abdruckes zu Dank verpflichtet. Aufruf des V.J. St Leipzig*)

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