Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 2 (20.5.1912)
- Date
- 1912-05-20
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 51 Wir leben in einer furchtbaren, entscheidenden Wendezeit. Das Judentum muß sich endlich aufraffen md seinen Plaiz in der Menschheitsarbeit behaupten, oder es moaß sterben. Wir wollen nicht, daß es sterbe. Mit ihm würden Eigenschaften verschwinden, die, wieder produktiv geworden wie in den Tagen der Urväter, wie damals die kostbarsten Kulturgeschenke spenden würden. Mit ihm winden auch wir zu Grunde gehen, geistig und sittlich. Denn die beste Eigenkraft unserer Seete schöpfen wir aus dem judentume. Nur dadurch, daß wir die Jüdische Art in uns pflegen und entfalten, gelangen wir zur Höhe Das Größte wird nie von der Nachahmung, stets von der sidh selbst kräftig betonenden Individualität geschaffen. Nur wem wir ganze Juden sind, können wir ganze Menschen werden. Darum ist es unsere eigenste Sache, die wir verfechten. Und auch Eure. Sache, Ihr jungen Juden, die Ihr auf deutsche Universitäten kommt und der Wege so viele vor Euch sehet und nicht wisset, welchen Ihr einschlagen sollt; denn jeder ist Euch im innersten fremd. Wir fragen Euch: wollt Ihr Nachbeter sein oder Eigenmenschen, schwächliche Epigonen oder Schöpfer einer neuen Aera im Judentum? Wer von Euch das glühende Streben imd den stolzen Mut der Jugend in sich fühlt, wird mit uns gehean. Wie aber wollen wir unserem Ziele, der Hebung des jüdischen Selbstbewußtseins, nachstreben? Erstens: Durch Zusammenschluß der jüdischen Studenten. Wir müssen zusammenhalten, wie je nur in diesem Jahrhundert eine für neue Ideale kämpfende Jugend zusammenhidlL Wir müssen stark und einig sein, wie die deutsche Jugend zur Zeit der Befreiungskriege, wie die römische Jugend zur Zeit der Einigung Italiens. Zweitens: Durch Verbreitung der Kenntnisse in jüdischer Geschichte und Literatur. Denn dies ist das Arsenal, aus dem wir unsere besten Waffen holen, Entschlossenheit und Zuversicht und den freien Zukunftsblick dessen, der die Vergangenheit mit dem Gefühle erkannt hat. . Drittens endlich: Durch Stählung der Körperkraft und Gewandtheit. Denn männlich und krafterfüllt soll auch unser Körper sein und stets willig und bereit, die großen Befehle des Geistes auszuführen.