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Der jüdische Student · 1912-05-20 · Heft 2 (20.5.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 2 (20.5.1912)
Date
1912-05-20
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Der Jüdische Student 41 Werten er dafür gebracht hat. Er darf nicht anerkennen, daß er mehr gegeben als genommen hat, und muiiß jn den erworbenen Gütern der Emanzipation nicht materielle, sondern im höchsten Grade ideelle Dinge sehen. So konannt er dazu, trotz seiner inneren Haltlosigkeit sich als Elite <dter Judenheit zu fühlen und auf seine östlichen Brüder, die noch nichts gewonnen, aber doch auch nichts verloren habean und womöglich einst mehr gewinnen können als die Westjudean, herabzublicken. Der Ostjude auf der anderen Seite, der erstens die jüdische Masse repräsentiert und damit auf einem schon an und für sich kräftigen Fundament steht, und zweitens gegenüber den Westjuden nicht ohne Recht in sich die ideale Verkörperung des Judentums sieht, kennt kein schlimmeres Schimpfwort als den „Deutsch1', womit er den westeuropäischen Assimilanten bezeichnet, in dem er das Prototyp für die untergrabende Kraft seiner alten starren und starken Ideale sieht. . Aus diesen Verhältnissen heraus ergibt sich natürlich eine besondere Schwierigkeit des jüdischen Kultuiproblems. Es genügt nicht, dem westeuropäischen Juden den verlorenen inneren Halt wiederzugeben. Das wäre nur eine par&lle Lösung; also keine Lösung. Die wirkliche Lösung muß gleichzeitig eine Synthese sein, eine Brücke zwischen dem Osten 'und dem \Vesten. Eins ist dabei klar: Es kann dem Assimilationsjuden nicht zugemutet werden, zur strengsten Orthodoxie zurückzukehren. Sie ist für ihn ein für allemal iberwunden. Die Synthese muß vielmehr seinem modernen Geiste und seiner modernen Bildung entgegenkommen, ohne gleichzeitig den Traditionen des alten Judentums zu* widersprechen. Eine historische Betrachtung wird dazu helfen, *kn gemeinsamen Boden bloßzulegen, auf dem Ost und West die Hände reichen können. Hier genüge nur der Hinweis auf das Problem selbst, seine Schwierigkeiten und die Richtung, die es den Erfordernissen gemäß vermutlich einschlagen wird. Die Existenz dieser Probleme nun ist mfcht erst eine Erkenntnis des allermodemsten Judentums. Enmstere Geister, die gewohnt waren, alle jüdischen Fragen als Zukunftsfragen zu bewerten, wie vor allem der jüdische Historiker Graetz, erkannten schon frühzeitig, daß das Reform-Judentum ein Zweck- und Verlegenheitsjudentum war, aus dem Tage heraus geschaffen und für den Tag. Sie sahen, wohin die Gedanken der Reform letzten Endes laufen mußten und kamen zw Ergebnissen, die sie erschreckten. Das moderne jüdische Inäfeiduum, das sich täglich immer mehr aus dem Judentum hemisspekulierte, um auf der Treppe kosmopolitischer und humanfflärer Ideen in ein

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