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Der jüdische Student · 1912-05-20 · Heft 2 (20.5.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 2 (20.5.1912)
Date
1912-05-20
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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33 Der Jüdische Student Worte niederschrieb'. „—Dennoch, trotz der barbarischen Pelzmütze, die seinen Kopf bedeckt, und der noch barbarischeren Ideen, die denselben füllen, schätze ich den polnischen Juden weit höher als so manchen deutschen Juden, der seinen Bolivar auf dem Kopfe und seinen Jean Paul im Kopfe trägt. In der schroffen Abgeschiedenheit wurde der Charakter, des Juden ein Ganzes, durch das Einatmen toleranter Luft bekam dieser Charakter den Stempel der Freiheit. Der innere Mensch'wurde kein quodiibetarüges Kompositum heterogener Gefühle und verkümmerte nicht durch die Einschränkung Frankfurter Judengaßmauern, hochweiser Stadtverordnungen und liebreicher Gesetzbeschränkungen. Der polnische Jude in seinem schmutzigen.' Pelze, mit seinem bevölkerten Barte und Knoblauchgeruch und Genialische! ist mir noch immer lieber als mancher in seiner staatspapiernen- Herrlichkeit." Diese Worte, die, als sie geschrieben wurden, sicher von den deutschen Juden als eine Verhöhnung ihrer heiligsten Idealevon Aufklärung und Emanzipation aufgefaßt wurden, treffen in der Tat den Nagel auf den Kopf. Es ist nur zu natürlich, daß die Assimilanten von heute das Judentum nicht zum Zentrum ihrer Person machen. Denn das Judentum ist in der bewußten Entwicklung eines ganzen Jahrhunderts dezentralisiert worden. Seine äußere und innere Einheit wurden zerstört. Die mosaische Konfession, die übrig blieb, war natürlich nicht stark genug, in zentripetaler Kraft die jüdischen Interessen anzuziehen, geschweige sie zu einem lebendigen Brennpunkte zu sammeln. Umso weniger, als ja das 19. Jahrhundert in allen Lagern an den religiösen Werten gerüttelt hat. Das Judentum aber hättein seiner alten, zentripetalen Kraft bestehen und die jüdischen Geister lebendig erhalten können, es hätte trotz aller Reformen des religiösen Dienstes seine alte Macht über das persönliche Leben, Streben, Wirken, Hoffen des Einzelnen behalten können,, wenn es eben nicht buchstäblich entmannt worden wäre, indem man in destruktiver Tendenz unter Verleugnung aller simpelsten jüdischen Triebe an die Spitze der Reform den Satz stellte: Nicht Israel, sondern die mosaische Konfession, nicht ein Volk mit religiöser Kultur, sondern eine durch Uebereinstimmung der Meinungen festgehaltene Glaubensgenossenschaft. Auf diese Weise hat die westeuropäische Judenheit viele ihrer besten Kräfte verloren. Es ist töricht, die Ueberläufer als das abfallende welke Laub zu bezeichnen, wie es heute üblich ist. Es sind unter ihnen nur zu oft die Produkte der schönsten körperlichen und geistigen Zucht zu finden. Und nur zu oft sind sie bloß deshalb untreu geworden, weil die Orthodoxie sie abstieß und der rejigiöse Konfessionalismus ihnen nicht genügte. Es fehlte ihnen eben ein Halt. Die Seele Heinrich Heines hat geradezu nach solch einem Halte geschrieen; Hätte

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