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Der jüdische Student · 1912-02-28 · Heft 11 (29.2.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 11 (29.2.1912)
Date
1912-02-28
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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Der jüdische Student Sprache der Kabbalisten Zafririm genannt, — so heißt auch dieses taufrische Gedicht —) ins Fenster gestellt, und an dem glitzernden Wintersonnenschein. Und bei rechtem klingenden Frost, wenn die Sonne klar und kalt ist, „als wäre ihr Licht durch ein Filter gegossen und die Erde stahlhart, als wäre ihr altes Gefüge zu locker gewesen und Gott hätte sie über Nacht auf den Amboß gelegt und sie wieder fest zusammengehämmert", dann ist er froh wie ein Eisbär und ruft zum Frost: „Heissa, Frost! komm, packe mich! Prickle, senge, brenne, stich!u Menschen mit solchem gesundheitstrotzenden Empfinden sind auch in unserem Klima nicht selten. Nur pflegen sie nicht lyrische Dichter zu sein. Zum Schluß noch einige Angaben über des Dichters Person 1 i c h k e i t.*) Chaim Nachman Bialik ist ein hochgewachsener, breitschulteriger Mann von robustem Aussehen. Geboren ist er vor 38 Jahren in dem von Wäldern umgebenen Dorf Radi in Wolhynien. Sein Vater war dort Wald- und Mühlenaufseher, später betrieb er eine Bauernschänke. In seinen Mußestunden saß er vor dem Talmudfolianten und „lerntet In Chaim Nachmans siebentem Lebensjahr zogen die Eltern nach einer auch am Wald gelegenen Vorstadt von Zitomir. Ein Jahr darauf starb der Vater. Wie dann die Mutter sich kümmerlich als Marktfrau plagte, um ihre fünf Waisen zu ernähren, hat Bialik in dem Gedicht „Mein Lied" in rührender Weise geschildert. Der Knabe zeichnete sich damals durch Wildheit und Kletterkünste aus, die ihm viel Ansehen bei seinen Kameraden und Prügel bei seinem Erzieher eintrugen. Das war sein strenger, dabei ihm von Herzen zugetaner Großvater, dem als Erziehungsideal der fromme Talmudgelehrte vorschwebte. Zum Zwecke dieser Laufbahn kam Bialik auf die berühmte Talmudschule (Jeschibah) zu Wolosyn, wo er durch Fleiß und Begabung auffiel. Dort schrieb er 1890 sein erstes Gedicht „An das Vöglein". Drang nach Freiheit und aligemeiner Bildung trieben ihn wie so viele andere aus der Jeschibah, der er in manchem innigen Gedicht ein wehmütig-liebevolles Andenken gewidmet hat. Im Alter von achtzehn Jahren wurde er nach der Sitte der frommen russischen luden verheiratet. Der Dichter ward jetzt Holzhändler und kam so, wenn auch nicht *) Diese Angaben verdanke ich hauptsächlich dem hebräischen Aufsatz von Dr. J. Klausner im „Achiasaf" 1903. Daneben sind aus der noch geringen Literatur über Bialik die Essays von Dr. Frischmann (hebräisch) und Baal-Machschaboth (judendentsch), zu nennen. Eine treffliche deutsche Uebersetzung seiner Gedichte von Ernst Müller ist jetzt im „Jüdischen Verlag" erschienen; sie vereinigt das Beste aus Biaiiks Werk (Preis M. 3.— geh., M. 4.20 geb.). 363

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