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Der jüdische Student · 1912-02-28 · Heft 11 (29.2.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 11 (29.2.1912)
Date
1912-02-28
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
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360 in ihren Augen steht die bange Frage, auf die keiner die Antwort weiß: Warum? Wenn sie morgen an die Himmelstür der göttlichen Gerechtigkeit pochen und ihren Märtyrerlohn heischen werden, dann wird Gott heraustreten und sprechen: „Ich will euch auf tun. Kommt! seht selbst; Ich bin bankrott geworden! . . . .... Auch ich weiß nicht, warum ihr starbt. — .... Sinnlos und schal ist euer Tod, Wie euer Leben war." Von Rache spricht der Dichter diesmal nicht. Aus einem anderen Gedicht wissen wir warum: .... „Und Fluch ihm, wer von Rache spricht! Für ein zerschmettert Lockenköpfchen, das noch säugt, D i e Furie hat noch Satan nicht gezeugt." Auch keine Träne des Mitleids und kein Wort der Tröstung für sein Volk hat der Dichter. Nur Zorn und Scham brennen in ihm darüber, daß Enkel der Makkabäer sich vor dem Tode verkrochen und nicht rühmlich zu sterben gewußt haben. Und nachdem auch sein Gott „bankrott" geworden ist, läßt er die Stimme zum Propheten sprechen: „Was hält dich hier noch, Erdensohn? Flieh in die Wüste! Den Leidensbecher sollst du mit dir nehmen Und deine große Träne auf dem höchsten Fels verströmen. In sieben Stücke sollst du deine Seele reißen Und laß der Ohnmacht Grimm mit scharfem Zahn dein Herz zerbeißen, Aufschreie dann dein Wehgeschrei, das herbe, Daß es im Sturmgebraus der Wüste sterbe!" Dem Kreis der „Lieder vom Ingrimm" stehen nach Zeit und Inhalt drei Gedichte nahe, in denen er sich an sein Volk wendet : „Daß ist die größte Gottesgeißel, daß ihr euer Herz verleugnet, Und sät auf jedes Wässerlein die Träne eurer Hoffnung Und hänget sie an jedes feine, falsche Sonnenfädchen . . . . . Und während euer Leib noch blutend zuckt von eurer Feinde Bissen, Kredenzt ihr ihnen auch die Seele . . ." Bei solchen Gedanken packen ihn wohl einmal Unmut und Verzweiflung. Dann heißt er den Propheten seinen Altar umzustoßen und ruft ihm zu: „Und deinen Hammer zerbrich, den eisernen Hammer! Der geborsten vom Schlagen auf taube, steinerne Herzen, Brich ihn in Stücke und schmiede d'raus eine Hacke Und dann grab' uns ein Grab! . . ." Und ein andermal ringt sich der ganze Jammer seines Volkes in dem kaum übersetzbaren biblisch-elementaren Dreiklang los, der sich durch das dritte Gedicht zieht: „Ruft die Schlangen, daß sie eueren Grimm hineintragen bis ans Ende der Welt! . . . Die Adler ruft, euere Klage zu heben bis an das Herz des Himmels! . . . Rufet die Wolken! Sie sollen tragen euer Leid über das weite Meer."

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