Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 11 (29.2.1912)
- Date
- 1912-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 349 oder er verliert jeden echten Schwung und Idealismus, wird ein brutaler Egoist wie so viele in der jungen jüdischen Generation, So war das Material beschaffen, das die jüdische Renaissance vorfand, jene Bewegung, die eben aus dem Gedanken erwachsen war, daß nur ein kräftiges jüdisches Volkstum dem Juden wieder zu seinem Werte verhelfen werde. Sie fand Kräfte in Hülle und Fülle, aber in undiszipliniertem Zustande, Geister, aber keinen einheitlichen Geist; Führer gab es genug, aber keine Soldaten. Das Gefühl für die Notwendigkeit der Unterordnung unter einen höheren Gemeinschaftswillen war dem jüdischen Individualisten verloren gegangen; ohne dieses Gefühl aber ist eine nationale Arbeit, das Zusammenwirken einer Masse nicht möglich. Dieses Gefühl zu erwecken und zu erhalten, ist keine Methode besser im Stande als die der studentischen Korporation — wenigstens die Methode, die wir als die richtige erkannt haben. Diese Methode besteht nicht darin, einen jeden nach Lust und Laune sich betätigen oder faulenzen zu lassen, noch darin, jeden in die Fesseln eines einseitigen politischen Parteistandpunkts zu schmieden. Sie verlangt von jedem Einzelnen Betätigung seiner Kräfte nach seinem Können und nach seinem WilLn, wie er sich auf Grund besserer Einsicht bildet. Aber diese Betätigung darf keine sklavische, mechanische sein, sondern muß im steten Bewußtsein eines hohen, gemeinsamen Zieles geschehen. Wie wir diese Aufgabe im einzelnen lösen, das zu zeigen ist hier nicht meine Absicht. Es sollte nur über diese Aufgabe selbst Klarheit geschaffen werden. Wie wir sahen, ist sie eine zwiefache. Es gilt, aus dem haltlosen Individualisten, den der jüdische Student in den weitaus meisten Fällen darstellt, eine feste, geschlossene Persönlichkeit, einen Mann zu machen, und eben dadurch dem jüdischen Leben die notwendigen Kräfte zuzuführen. Wir wissen, daß unser Ziel erreichbar, daß unser Weg der richtige ist.