Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 11 (29.2.1912)
- Date
- 1912-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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340 Der jüdische Student sich eine religiöse nennt, obwohl die Religion für sie belanglos ist — das ist kein Ideal, für das junge Herzen sich erwärmen können, das sie innerlich befreien und damit zu festen und männlichen Juden machen kann; es muß jeden Juden, der sich etwas ernsthafter mit dem Problem seiner Existenz beschäftigt, im Grunde unbefriedigt lassen. Arbeit für die Erhaltung und für eine freie und schöne Zukunft des jüdischen Volkes — dieser Gedanke ist groß genug, um jeden, der sich ihm unterordnet, zu bereichern. Die politische Forderung, die der V. J. St. aufstellt, ist: die Männer zu erziehen, die das jüdische Volk in seiner kritischen Lage braucht; Männer, die bereit sind, sich selber hinzugeben, wenn das Wohl ihres Volkes es verlangt, die nicht, wenn es sich um jüdische Interessen handelt, erst fragen, ob es auch ausschließlich Interessen der deutschen Juden sind, und alles Jüdische, was darüber hinausgeht, ablehnen. Uns V. J. St.-ern ist nichts Jüdisches fremd, und wir erschrecken sogar nicht einmal vor dem Wort Zionismus. Wir erkennen unumwunden an, daß die Einsicht in den nationalen Charakter des Judentums in den meisten Fällen zum Zionismus führen muß. Aber wir sind darum noch nicht zionistisch, sondern haben Raum für jede jüdische Anschauung, die eine ernsthafte Antwort auf die Frage zu geben vermag, wie das Judentum zu erhalten sei. Dieses Heft, das den Freunden des jungjüdischen Lebens zeigen soll, wie der B. J. C. an ihm mitarbeitet, handelt mehr als uns lieb ist von unserem Kampf gegen den K. C. Notgedrungen, denn auch er ist eine Forderung der jüdischen Tagespolitik. Unser Kampf erniedrigt sich aber nicht zum politischen Gezänk, sondern er kann und wird immer nur darin bestehen, die geistige und moralische Ueberlegenheit unseres Programms über das des K. C. darzulegen. Wir wollen nur zeigen, daß wir dem Judentum besser dienen. Die Entwicklung des Judentums wird zeigen, daß wir recht haben, und darum führen wir den Kampf mit guter Ruhe.