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Der jüdische Student · 1912-02-28 · Heft 11 (29.2.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 11 (29.2.1912)
Date
1912-02-28
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Der jüdische Student 339 nicht wahr, daß wir deutschen Juden etwas anderes sind als unsere Brüder in irgend einem anderen Lande; wir verleugnen unser Blut nicht und bemühen uns nicht mit blindem Eifer, unser Deutschtum einer Welt zu verkünden, die nichts davon wissen will. Wir kennen auch nicht eine partielle Lösung der Judenfrage in Deutschland, weil wir eingesehen haben, daß für alle Teile unseres Volkes dieselben Gesetze gelten wie für die Gesamtheit und daß nur Kurzsichtigkeit oder Unehrlichkeit den Versuch machen kann, hier künstliche Scheidewände zu ziehen. Wir werden auch nicht zu Verrätern an der Solidarität aller Juden, indem wir Juden, die nicht in Deutschland geboren sind, von unseren Korporationen ausschließen; wir würden uns schämen, unsern heimatlosen Brüdern, die noch naiv genug sind, an den Gemeinsinn aller Juden zu glauben unsere Türen zu schließen. Dieses Ueberlegenheitsgefühl des „deutschen" über den russischen oder österreichischen Juden ist etwas recht Trauriges. Ist es unser Verdienst, daß vor fünf Menschenaltern Polen so und nicht anders aufgeteilt wurde, und daß dadurch unsere Vorfahren an Preußen kamen? Darf man daraus einen Unterschied zwischen Juden und Juden herleiten und weiter an der Zerteilung und Zersplitterung unseres Volkes arbeiten? Ueber derartige Aeußerlichkeiten hinweg erkennen wir, daß alle Juden unterschiedslos eine durch Blut und Geschichte geeinte Menschengruppe bilden, und meinen, daß von dieser Erkenntnis die Erneuerung des Judentums ausgehen muß. Die Auffrischung der nationalen Kräfte des Judentums bedeutet seine Zukunft. Die jüdische Religion war nur eine große nationale Leistung, und sie braucht nicht die einzige bleiben. Wer in treuer Liebe an seiner Religion hängt, der verdient, daß man seine Ueberzeugung achtet; der wird aber auch nie den Begriff der jüdischen Religionsgemeinschaft entstellen, indem er ihn zu Zwecken braucht, denen er nicht entspricht. Die nationale Gemeinschaft hat Raum für alle Juden, denen irgend etwas an ihrem Judentum liegt, und für jede Leistung, die dem Judentum zugute kommt. Rückkehr zum Volke — das ist die erlösende Formel für jeden Zwiespalt, in den uns eine auf Kosten des Judentums erfolgte Entwicklung hineingeführt hat Kampf gegen den Antisemitismus in einer Organisation, die

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