Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 10 (23.1.1912)
- Date
- 1912-01-23
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 319 K. C.-ers, eines deutschen Staatsbürgers jüdischen „Glaubens* ausreichend. Was seine Kartellbrüder natürlich nicht hindern wird, nach wie vor das „National"judentum der V. J. St.-er abzulehnen (die auch der K. C. längst als seine wirklichen Feinde erkannt hat, weswegen ein K. C.-er stets zionistische Abiturienten für das K. Z.V. keilt). Das Zugeständnis der jüdischen Rasse ist allerdings rein platonisch; der durch den Begriff „Rasse" schon a priori gegebene Zusammenhang aller Juden und die Betrachtung der „Judenfrage" als internationaler Erscheinung ist dem „K. C.-Gedanken" fremd. Und ist ihm im Laufe der Jahre immer fremder geworden, bis die Entwicklung der K.C.¬ Tendenz durch den letzten K. C.-Tag in Breslau (20/21. Oktober 1911) einen „vorläufigen Abschluß" gefunden hat; das „deutsch-vaterländische" Moment ist immer mehr in den Vordergrund getreten, aber während es früher hieß: „zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Abs. 1 nicht widerstreben, nehmen die K.C.-Verbindungen keine Stellung", heißt es jetzt: „Der K.C. lehnt die Bestrebungen zur Lösung der deutschen Judenfrage außerhalb Deutschlands ab." In einem Artikel über „die K. C.-Tendenz nach der Stellungnahme des Breslauer K. C.-Tages" erklärt Dr. So Ion-Berlin, daß die immer stärkere Betonung des deutschen Gedankens nicht wegen der Antisemiten, sondern — wegen der Zionisten erfolgt sei; was früher selbstverständlich gewesen sei, nämlich daß ein Jude zugleich ein guter Patriot sei, sei jetzt nicht mehr so selbstverständlich. Nichtsdestoweniger wird der Zionismus als eine Bewegung auf „edle und großartige Ziele gerichtet" angesehen; während er jedoch „durch die positive Formulierung" des K. C.-Programmes „abgelehnt" wird, soll es auch jetzt noch für einen Zionisten möglich sein, im K. C. mitzuarbeiten. Auch die zionistischen Korporationen werden belobt (hiermit ist wohl nur das K. Z.V. gemeint, jedenfalls müssen wir uns das merken für die Agitation gegen den K. C.: entweder wir sind mitbelobt oder nicht zionistisch), aber der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die jungen Akademiker ihre Kräfte nicht der „türkischen" (!!) Zukunft, sondern der deutschen Gegenwart dienstbar machen. Was die neue Tendenz will, ist klar; was ihr Interpret will, weniger. Die neue Tendenz ist eine verschärfte Stellungnahme