Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 10 (23.1.1912)
- Date
- 1912-01-23
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 317 Meinung, daß zu jedem V. J. St. ein A. H.-Bund gehört, der seinem Verein eine finanzielle und moralische Stütze sein soll. Diesen Bestrebungen, die also die Konsolidation der Vereine bezwecken, sieht mancher guter B. J -C.-er mit Mißtrauen entgegen. Man fürchtet, daß hierdurch die Einheit des B. J. C gefährdet werde, daß man Korporationssimpel erzieht und auf dem Wege zur Veräußerlichung sei. Die Einheit des B.J. C wird nicht; leiden, wenn in den einzelnen Vereinen ein gesunder Egoismus zu Tage tritt. Denn der B. J. C besteht am besten, wenn auch die einzelnen Vereine sich mehr auf sich selbst verlassen und sich zu Höchstleistungen anspornen. Allerdings darf sich hieraus nicht ein ungesunder Partikularismuss, durch den der Idee des B. J. C. und den Vereinen Schaden zugefügt werden könnte, entwickeln. Auch der Vorwurf der Veräußerlichung ist unberechtigt. Jeder V. J. St.-er weiß, daß die Korporation uns nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel ist. Wir haben von^ den studentischen Korporationen nur die äußere Form übernommen, aus der wir ihren leichten Inhalt herausgetrieben und durch neuen .nur für uns fühlbaren Inhalt ersetzt haben. Auch die Form haben wir allmählich so umgestaltet, wie sie uns am besten den jüdischen Inhalt zu umschließen scheint. Nur der V. J. St-er hat ein Recht auf Achtung, der sich den Inhalt zu eigen macht, nicht derjenige, der allein über gesellschaftliche Fähigkeiten verfügt. Sollte aber in einem V.J. St. der Inhalt hinter der Form zuerst zurücktreten, so wird der B. J. C. die Macht haben, derartiges beim Entstehen zu unterdrücken. Das zeigte sieh bei der Debatte über die Aufnahme des V. J. St. Heidelberg. — Fassen wir nun noch einmal den Oesamteindruck des K. T. zusammen, so können wir ihn in erster Linie als einen Aufruf zur zielbewußten Arbeit betrachten. Unsere Aufgabe ist es, ihn in die Tat umzusetzen und zunächst ein numerisches Wachstum unserer Korporationen anzustreben. Soll der B. J. C. für die Zukunft des deutschen Judentums von Bedeutung sein, so muß seine Expansion in schnellerem Tempo vor sich gehen!