Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 10 (23.1.1912)
- Date
- 1912-01-23
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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316 Der jüdische Student Land der Zukunft, es soll aber zum Lande der Gegenwart werden. Auf dem Kartelltage wurde nicht mit Unrecht über den nationalen Formalismus vieler B. J. C.-er Klage geführt. Dieser wird nur überwunden, wenn sich unser Zionismus mehr als bisher mit Palästina in innere Beziehung setzt. Ein Zionismus, der von Palästina allzuwenig beeinflußt wird, muß allmählich beim Westjuden farblos werden, zum nationalen Formalismus zusammensinken. Damit Palästina uns etwas konkreter, weniger Phantasie und mehr Wirklichkeit wird, ist es schon im Fuxenunterricht nicht als quanlite negligeable zu betrachten, sondern organisch mit ihm zu verknüpfen und mehr in den Mittelpunkt zu setzen. Denn es genügt nicht, um Zionist zu sein, allein Liebe zu seinem Volke zu hegen, sondern wir müssen Liebe zum Lande, das seine Zukunft werden soll, fühlen lernen, damit sich auch bei uns Westjuden wieder eine Chibath Zion entwickelt. Wenn man den Palästinagedanken kräftiger im B.J. C. Wurzel fassen läßt, wird wohl kaum der Vorwurf erhoben werden können, daß dies als „ein von keiner Zukunftssorge gezügelter Palästinaeifer, der den Zionismus schon fast zum Palästinensismus umgewandelt hat", zu bewerten ist. Eine breitere Behandlung Palästinas gehört unbedingt zu den Aufgaben des B. J. C. Auf diesem Kartelltage wurden auch kurz die Altherrenbünde und Bezirksverbände in den Debatten behandelt. Die Bedeutung, die man diesen Verbänden zumißt, zeigte sich schon daran, daß man ihnen auf diesem Kartelltag neue Rechte gab. Die Bezirksverbände machten merkwürdigerweise alle denselben Eindruck: ihre Leistungen sind gleich Null. Der Bezirksverband Posen kann nicht leben und versucht vergebens zu sterben, der Bezirksverband Frankfurt hat noch nie existiert Der Bezirksverband Rheinland-Westfalen lebt erst auf, wenn der Ferialverband Köln seine Keiltätigkeit beginnt. Auch der Bezirksverband Berlin hat von den großen Erwartungen, mit denen er ins Leben trat, nicht viel in die Tat umgesetzt. Dieser Bezirksverband, der einen großen Teil der A. H. des B. J. C. umfaßt, war auf diesem K. T. nicht einmal vertreten! Trotz alledem gab man die Hoffnung nicht auf, daß diese Organisationen, sobald sie numerisch erstarken, auch ihre Aufgaben erfüllen werden. Außerdem herrschte allenthalben die