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Der jüdische Student · 1911-12-15 · Heft 9 (15.12.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 9 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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286 Der jüdische Student Große und Allgemeine wach geworden, dieser Sinn, der dem fehlt der in der Tiefe lebt und nur sich selbst sieht; die nicht die Winkelzüge lieben, die nicht voll sind von verbogenen Gefühlen, sondern die grade denken und deren Maßstab groß ist wie die Not ihres Volkes. — Eine solche Erziehung würde die Kraft und den Wert des einzelnen und der ganzen Nation unendlich heben, in jedem Falle. Sie würde bei der h e u t i g e n Lage, im Hinweis auf die besonderen Aufgaben der Optimaten, alle zu der höchsten Anspannung ihrer Fähigkeiten im Dienste des jüdischen Volkes zwingen. Das Resultat dieser Erziehung wird etwas durchaus Jüdisches, ein neuer und höherer jüdischer Typ sein. Leicht möglich, daß auf ihn die deutschen Begriffe Ritterlichkeit, Aristokratie nicht genau passen, denn diese sind wie alle Begriffe relativ und für uns durch uns bedingt. Aber man muß sich ja der Wörter unserer Sprech-Sprachen bedienen, um die Richtung anzugeben, in der die Begriffe liegen, die man meint. Man muß mitunter in Ueberschriften reden, ohne die Dinge ganz scharf fassen zu können. All diese Forderungen sind nicht verschwimmende Ideologieen, höchstens fruchtbar im einzelnen, sondern ihr Gegenstand ist im eminenten Maße praktisch 1 e h r b a r. Man würde das vielleicht nicht ohne weiteres zugeben, wenn es nicht ein treffendes Beispiel in der deutschen Studentenschaft gäbe: den S. C. Wie man aus Darstellungen des Studententums aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts und aus Werken moderner Autoren weiß, setzt sich der S. C. (und mindestens der ältere tat es vollbewußt und mit großem Ernst) diese Aufgabe: Erziehung zur Ritterlichkeit. Die Erfolge, die er erzielte, waren nicht ganz schlecht, wie zugestanden werden wird. — Wie man diese Analogie zu verstehen hat, ist vorhin angedeutet worden. Jedenfalls zeigt sie schlagend die Möglichkeit, diese Dinge durch den Fuxmajor in Fuxenstunden und durch den Leibburschen lehren zu lassen. In der Komposition des Charakters kann ja bekanntlich neben dem Instinkt die Erziehung eine geignete Rolle spielen. Dieser Fuxenunterricht, der nach oder neben dem wissenschaftlichen zu geben wäre, würde an die Stelle des sog. Commentunterrichts treten. Dieser ist heute häufig ein lächerliches und mit Recht mißachtetes „allgemeines" Nebenbei; der neue (der allerdings das „Wie" nur auch enthielte) wäre wahrhaftig ein sehr ernsthaftes Ding, im Effekt enorm jüdisch und — ein Unterricht in Tendenz. Eine Erziehung dieser Art umfaßt das Größte und das Kleinste in gleicher Weise. Sie hat Benehmen, gesellschaftliche Korrektheit bis <in die Einzelheiten ebenso zum Gegenstande wie die Elemente ritterlicher Gesinnung. Sie hat zur Folge ein gesteigertes Gefühl für Würde, dem ein gesteigertes Em-

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