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Der jüdische Student · 1911-12-15 · Heft 9 (15.12.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 9 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Der jüdische Student 287 pfinden für jeden Ausdruck der Mißachtung in Wort, Ton und Geste des anderen, in gesellschaftlichen und behördlichen Maßnahmen und Einrichtungen entspricht, eine Feinhörigkeit, die gleich weit entfernt ist vom stumpfen Knechtssinn, vom angstvollen Sichducken des Wichtes, wie von jener bekannten Überempfindlichkeit und Überschärfe, die auf Unsicherheit in Fragen der Würde beruht und in unserer Geschichte ihre Erklärung findet. Sie verpönt in Debatte und Polemik jene primitive Art, die leichtherzig die moralische Persönlichkeit des andern angreift, stets ein verletzendes Wort bereit hat und den Schwächeren nicht schont. Sie sucht in formalen Dingen das Gefühl für die jeweils beste Form irgend eines Inhalts zu erhöhen, das heißt für Takt und Geschmack. — Natürlich: jede Idee trägt die Möglichkeit der Verzerrung in sich. Aber für die Übertreibungen der andern ist man nicht verantwortlich. Der B.J.C. ist die einzige Organisation, die befähigt ist, dieses Werk zu leisten. Das K. Z.V. mit seinem Parteidrill und seiner parteimäßigen Gebundenheit ist dazu außerstande. Ganz zu schweigen vom K. C, der als eine i m Judentum arbeitende Gruppe nicht zu bezeichnen ist, der seine Mitglieder zu „emanzipationswürdigen" deutsch - vaterländischen Bürgern jüdischen Glaubens erzieht (dabei ist alles was er verlangt, daß man sich nicht geradezu taufen läßt!), der in der Tat nichts ist als ein Vorzimmer des Untergangs der Juden in Deutschland. — Der B.J.C. kann als die Organisation angesprochen werden, die die Möglichkeit hat, die beste jüdische Arbeit in Deutschland (und vielleicht weit darüber hinaus) zu leisten. Zur besseren Durchführung seiner Aufgaben wäre es gut. die einzelnen Kartell-Corporationen stärker zu konsolidieren, um sie instand zu setzen, jeden, der zu ihrem Kreise gehört, jederzeit mit Schärfe und Energie auf seine Stellung und seine Aufgaben der jüdischen Nation gegenüber hinzuweisen. Der B.J.C. wird umso wertvoller sein, je stärker die Energien sind, die aus ihm fließen. Ich hoffe, es lächelt niemand beim Lesen irgend einer Stelle dieser Ausführungen, etwa bei Ritterlichkeit oder Aristokratie. Es wäre das ein sehr trauriges Lächeln. Es gliche jenem, das wir aus den zionistischen Agitationsversammlungen von unseren Gegnern kennen. Jenem Lachen, das man hört, wenn der zionistische Redner von Hohem und Starkem spricht, das jüdisch sein soll. Die Leute glauben über den Redner zu lachen und lachen in Wahrheit üer sich selbst, über uns, über alles, was judisch ist und heißt. Zionisten kennen dieses lästernde Lachen und fürchten und hassen es und schämen sich für die andern. — In uns ist der Ernst.

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