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Der jüdische Student · 1911-11-24 · Heft 8 (24.11.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 8 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Der jüdische Student 243 denselben Zug in ganz verschiedenartigen Aeußerungsformen erscheinen lassen. Werden diese Fehler aber vermieden — so wie dies bei R u p p i n der Fall ist — dann liegt in der Aufzeigung von Charakterzügen der Beweis für das Vorhandensein einer Volksindividualität und in ihrer günstigen Bewertung zum mindesten eine berechtigte Befriedigung des eigenen Volksempfindens. Die nationale Begründung der Stellung zu jüdischen Fragen — denn daß R u p p i n bei einer Stellungnahme vom nationalen Standpunkt, dem der Erhaltung des Volkstums, ausgeht, ergibt sich aus dem oben Gesagten — ist in der mit Mathias Acher beginnenden, in jüngster Zeit durchgeführten Art doch wohl wirksamer als Dei R u p p i n gegeben. Während R u p p i n sich mehr mit einzelnen Zügen des nationalen Wesens befaßt, fühlt man dort, wo die Nation in ihrer Gesamtheit betrachtet und ihr Wesen im aligemeinen erörtert wird, mehr ein Herangehen an die Wurzel der Dinge. Noch größer ist aber der Vorzug, daß dort die nationalen Probleme historisch betrachtet werden, daß die Geschichte des 19. Jahrhunderts als grundlegende Erklärung herangezogen wird. R u p p i n tut das nicht in dbser Weise, und es ist wohl darauf zurückzuführen, daß, wenn auch die äußeren Krankheitserscheinungen des kulturellen Verfalls bei ihm vortrefflich dargestellt sind, doch die innerliche Bedeutung, das innere Wesen der Assimilation nicht so recht zum Ausdruck kommt und daß er das westjüdische Individualproblem nicht erwähnt, die Frage, was das Judentum für jeden einzelnen von uns bedeutet und welcherart die Erlösung eines jeden einzelnen durch den Zionismus ist. In dieser Richtung wird das Buch vom Standpunkt einer abgeschlossenen Theorie des Zionismus für den Westjuden einer Ergänzung bedürfen. Die praktische Durchführung des nationalen Problems, der Verschmelzung jüdischer Eigenart mit moderner Bildung, ist, wie weiter ausgeführt wird, gegeben durch die Vermittlung moderner Bildung in jüdischen Schulen mit jüdischer Sprache. Diese sind aber nur da möglich, wo größere Judenmasseu zusammenwohnen und ein geschlossener jüdischer Wirtschaftskreis vorhanden ist. Auch hier ist also das wirtschaftliche Moment von entscheidender Bedeutung. Ein geschlossenes jüdisches Wirtschaftssystem wird durch die Zurückführung der Juden zur Landwiitschaft ermöglicht. So tritt als zweites Mittel neben die jüdische Schule die landwirtschaftliche Kolonisation. Die Erörterung der Frage, wo und wie diese Mittel zur Wirklichkeit werden können, ergibt, daß Hebräisch die Sprache und Palästina das Land des neu aufblühenden jüdischen Volkes sein muß. Auch die praktische Durchführung wird eingehend besprochen und sehr beachtenswerte Vorschläge gemacht, die den

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