Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 8 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 241 von der Benutzung des statistischen Materials, sondern auch für allgemeine, den üblichen Beweismethoden analoge Ausführungen. Zwei Beispiele will ich hervorheben: den Hinweis darauf, daß die Wirkung der Aufklärung umso stärker sein muß, weil sie immer nur eine dünne Schicht von Juden erreicht und so die Ausbildung einheitlich-jüdischer Züge ausschließt, die eine Masse als Trägerin voraussetzen würde. Weiter die Aufdeckung der sozial verschiedenen Motivierung von Taufe und Mischehe und ihre Folge, das Anschwellen der Mischehen bei einem etwaigen Abflauen der Taufbewegung. Erwähnt sei noch die wirksamste, in der Darstellung immer wiederkehrende Kraft in der geschichtlichen Entwicklung: es ist die Beschaffenheit der wirtschaftlichen Zustände. Ich betone das deswegen, weil die erste Auflage hierauf kein besonders hohes Gewicht legte, während jetzt die ökonomische Gestaltung von ganz entscheidender Bedeutung ist. Es ist das ein Fortschritt, der zu vielen guten Erklärungen und wichtigen Aufschlüssen Anlaß bietet. Wichtig ist es, wenn gesagt wird, daß die Juden früher als Träger eines fremden Wirtschaftssystems, des Kapitalismus, notwendig der Absonderung verfielen, während heute gerade die immer weiter um sich greifende Verbreitung dieses Systems die sicherste Prognose auf die unausbleibliche Assimilation im Golus gestattet. Aber auch sonst sind überall wirtschaftliche Momente verständnisvoll erwähnt und fruchtbare Folgerungen aus ihnen gezogen. Der jüdische Nationalismus bildete in der ersten Auflage nur einen, nicht besonders ausführlichen Abschnitt Jetzt ist er, großzügiger angelegt und viel besser ausgestaltet, der zweite, gleichbedeutende Teil des Buches geworden, der ebenfalls wieder in sich streng logisch entwickelt wird und die Hülfe gegen die im ersten Teil geschilderte drohende Vernichtung angibt. War die erste Auflage vor allem als Beschreibung der anormalen Lage der Juden bedeutend, so ist, durch die vollkommene Unterordnung des ersten Teils unter den Gedanken der Assimilation, wie besonders durch die Ausarbeitung dieses zweiten Teiles die Rettung und Belebung des Volkstums in den Vordergrund getreten. Dieser zweite Teil ist ganz der Frage des Volkswertes und der Möglichkeit seiner Erhaltung gewidmet. Die Untersuchung des Rassenwertes der Juden führt zu dem Ergebnis, daß die Juden in intellektueller Beziehung besonders wertvoll, in künstlerischer und ethischer Beziehung an sich andern Völkern nicht unterlegen sind. Besonders die Darstellung der intellektuellen Vorzüge der Juden ist von hoher Bedeutung. Wenn uns bewiesen wird, daß „dieselben Fähigkeiten, die den tüchtigen Kaufmann ausmachen, rasche Auffassungsgabe, logisches Denken, richtige Abschätzung des Erreichbaren, Organisationstalent, schnelles Zugreifen unter ver-