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Der jüdische Student · 1911-11-24 · Heft 8 (24.11.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 8 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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240 Der jüdische Student Gemäldes, in Taufe und Mischehe, ihren deutlichsten Ausdruck findet. Die Lage des Judentums stellt einen einzigen großen ZersetzungsVorgang dar. Das ist das Ergebnis, das die nicht etwa auf irgend welchen vagen Vermutungen aufgebauten, sondern das vorhandene Material in ernster wissenschaftlicher Weise verwertenden, durchaus objektiv - kritischen Untersuchungen R u p p i n s mit unabwendbarer Notwendigkeit aufzwingen. Die zahlenmäßige Darstellung der Tatsachen und die gesetzmäßige Ableitung der Folgerungen machen die Krankheitserscheinungen des Judentums gewissermaßen mit Händen greifbar, und daß sie todbringend sein werden, wenn der Entwicklung freier Lauf gelassen wird, ist gewiß; denn die einzige, scheinbar im entgegengesetzten Sinne wirksame Kraft, der Antisemitismus, erweist sich als unwirksames Gegengift. Die absolute Gewißheit dieser Ergebnisse wird durch eine Eigenart der Ruppin sehen Darstellung verbürgt, die einer der großen Vorzüge des Buches ist, und die ich seine Voraussetzungslosigkeit nennen möchte. Ruppin baut nirgends auf schon vorhandenen Arbeiten anderer auf, er setzt nur die fundamentalsten und selbstverständlichsten Tatsachen voraus. Sonst ist alles entweder aus eigenem Nachdenken gewonnen, oder kritisch geprüft, und nur wenn es durch eigene Forschung bestätigt ist, übernommen. Das äußert sich in mannigfacher Art. Einmal darin, daß alle Möglichkeiten der Entwicklung untersucht sind, auch diejenigen, die gewöhnlich als nicht in Frage kommend von vornherein ausgeschaltet werden. Ferner darin, daß er eine einmal gewonnene Folgerung nicht geradlinig weiter entwickelt, sondern die entgegenstehenden Umstände würdigt, als korrigierende Gedanken ausspricht, und so die richtige Resultante findet. Dieses Vorgehen erhöht die Beweiskräftigkeit seiner Ausführungen in hohem Maße. Weiter aber ist hierher zu rechnen — was für uns von Interesse ist — daß er des öfteren von der ursprünglichen und althergebrachten, jetzt freilich z. T. schon umgestalteten zionistischen Argumentationsmethode abweicht. So z. B. wenn er von der Wahrscheinlichkeit der Assimilation ausgeht, während doch ein Grunddogma der früheren Agitation die Unmöglichkeit der Assimilation war; oder wenn der Antisemitismus, der früher jeder Beweisführung als notwendige Voraussetzung vorausgeschickt wird, hier nur als Tatsache erwähnt wird, welche die auf anderer Grundlage gewonnenen Ergebnisse nicht abzuändern vermag; oder wenn der Zusammenhang der Juden im East-End nicht aus na^onalen, sondern lediglich aus wirtschaftlichen Gründen erklärt wird. Wenn er so zweifelhafte Stellen älterer Methoden kraft seiner kritischen Selbständigkeit aufgibt, so führt er dafür manchen neuen fruchtbaren Gedanken ein. Das gilt nicht nur

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