Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 8 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 239 fülle eher geeignet waren, die großen Ergebnisse weniger klar hervortreten zu lassen. Die wesentlichen tatsächlichen Unterlagen der Grundgedanken sind in voller Ausführlichkeit beibehalten und sogar noch erweitert; daß das tatsächliche Material durchweg auf den neuesten Stand gebracht ist und daß hierbei manche neuen, äußerst instruktiven Dinge geboten werden, braucht als selbstverständlich nicht besonders hervorgehoben zu werden. Der erste Teil, die Assimilation, gibt eine eingehende Darstellung der modernen Judenfrage. Die Zustände der heutigen Judenheit in allen ihren Teilen werden geschildert, die in ihnen zum Ausdruck kommenden Linien der Entwicklung aufgedeckt und das notwendige Endziel dieser Entwicklung festgestellt. Ein kurzer Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der heutigen Zustände wird vorausgeschickt, als Ergebnis die Bildung von vier, nach der Stärke des nationalen Elements verschiedenen Schichten gewonnen. Eine Betrachtung der Assimilation in geschichtlichem und allgemeinem Rahmen leitet über zum Fundament der gesamten übrigen Ausführungen, der Schilderung der Gründe für die Erhaltung des Judentums und ihres Wegfalls. Auf einen Überblick über die zahlenmäßigen Verhältnisse der heutigen Judenheit folgt dann die eigentliche Beschreibung der gegenwärtigen Lage. Sie wird nach allen Richtungen untersucht, alle Züge jüdischen Lebens werden einzeln aufgeführt und eingehend charakterisiert, und zwar in äußerst anschaulicher und treffender Art. Ich will hier nur erwähnen, wie einleuchtend die Bedeutung der jüdischen Zeremonialgesetzgebung dargestellt und wie eindrucksvoll das von ihr beherrschte Leben der ostjüdischen Massen geschildert wird. (Daß der Freigeist R u p p i n hier stellenweise fast innig und liebevoll spricht, sei nebenbei gesagt.) Und als Gegenstück davon die Beschreibung des liberalen Judentums, v/o die Erwähnung der einen Tatsache, daß von 1850 jüdischen Gemeinden Deutschlands nur 487 den vorgeschriebenen täglichen Gottesdienst haben, einen gewaltigen Kontrast zu dem religionserfüllten Leben der Ostjuden und damit eine ersatzlose Entfremdung von der Macht bedeutet, die so lange allein erhaltend gewesen ist. So werden alle wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Faktoren im Judentum unter Beibringung eines reichen statistischen Materials vorgeführt, entweder als Ursachen oder Bestandteile des Assimilationsprozesses. Und das ist das Entscheidende, daß in allen den einzelnen Zügen, die das Bild des Judentums ausmachen, der unzureichenden Vermehrung wie der wirtschaftlichen Lage, den zerstreuenden Wanderungen wie dem gemeinsamen Drang nach den Großstädten, der Schwächung der Religion wie der Ausbreitung moderner Bildung, dieselben Gesetze derjenigen Entwicklung walten, die in den beiden krassesten Ausschnitten des