Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 8 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Der jüdische Student war, und keine noch so lebhaften Wünsche einzelner vermochten die geringen Absatzaussichten zu entkräften und zu einer zweiten Auflage zu verhelfen. Darin scheint nun, wie mehrfache Beispiele der letzten Zeit beweisen, ein freilich vorläufig noch unbedeutender Wandel sich zu vollziehen. Ganz natürlich ist es, daß ein Buch wie Arthur R u p p i n s „Juden der Gegenwart" eines der ersten ist, die an diesem Fortschritt teilnehmen. Seit seinem Erscheinen ist dieses Werk für alle, die sich über jüdische Fragen orientieren wollten, unentbehrlich gewesen; es ist von den Büchern, die das Judentum mit den Augen der Gegenwart betrachten, dasjenige, welches den reichsten Tatsachengehalt darbietet und hierdurch in umfassender und eindrucksvoller Weise über alle Gebiete jüdischen Lebens unterrichtet. Dieses Buch also liegt nun in zweiter Auflage vor. Die zweite Auflage bedeutet in diesem Falle eine gewaltige Veränderung. Während früher eine Reihe von Tatsachen dargestellt war, die zwar alle zu demselben Ergebnis, der Auflösung des Judentums, zu führen schienen, aber doch untereinander den inneren Zusammenhang einigermaßen vermissen ließen, haben wir jetzt ein mit äußerster Schärfe und Folgerichtigkeit durchgeführtes System vor uns. Zwei große gegensätzliche Gedanken, von denen der eine oder der andere für das Schicksal des Judentums entscheidend ist, beherrschen dieses System, Assimilation und Nationalismus; nach ihnen ist das Buch, ganz anders als früher, in zwei große Teile geteilt. Jeder dieser Gedanken wird in seinem ganzen Inhalt entwickelt, und jede Einzelausführung ist diesen beiden obersten Gesetzen untergeordnet, in der Art, daß sie, sich auf einander aufbauend, die leitende Idee bestätigen und klar herausarbeiten. So führt ein durchaus geschlossener Beweis zum Zionismus als der einzig möglichen Lösung der Judenfrage im positiven Sinne. Die große Zweiteilung und die Gesetzmäßigkeit der Darstellung mit ihrer Folge, der veränderten Stellungnahme des Verfassers zum Zionismus (über diesen Zusammenhang soll noch gesprochen werden), sind die zunächst ins Auge fallenden Unterschiede der zweiten Auflage von der ersten. Selbstverständlich ist, daß die Unterordnung des Stoffes unter bestimmte leitende Grundsätze zu mannigfachen Umgestaltungen geführt hat: viele Abschnitte der ersten Auflage sind wesentlich gekürzt, manche erweitert, einige fehlen ganz und werden durch neue, in der ersten Auflage nicht enthaltene Ausführungen ersetzt; durchweg ist die Anordnung des Stoffes anders geworden. Im allgemeinen kann man sagen, daß die tatsächlichen Angaben verringert sind; das bedeutet aber keinen Fehler, weil es sich fast durchweg um solche Zahlen oder Hinweise handelt, die schon ein „ganz spezielles Interesse voraussetzten und vielleicht durch ihre Über-