Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 8 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 237 schäftigen; aber den Neigungen und Trieben, die früher alles andere erdrückten, sind jetzt vom Erzieher wirksame Gegengewichte geschaffen worden. Daraus ergibt sich auch leicht der Angelpunkt, an dem der Erzieher mit der jüdischen Arbeit zu beginnen hat. Es liegt mir besonders daran, hier zu betonen, daß es m. E, keineswegs so sehr auf das Maß der erworbenen Kenntnisse ankommt, wie vielmehr auf das Erzeugen des jüdischen Gefühls, der jüdischen Stimmung. Und auch da wird man sich entsprechend der Verschiedenheit der Anlagen verschiedener Methoden bedienen. Die Rustikalen wird man vorzugsweise mit ethisch wirkenden Mitteln, Fechten, Turnen, strenges Anhalten zur Disziplin, unter Hinweis auf seinen Mut, sein Selbstbewußtsein heranziehen — sehr gut, aber mit Vorsicht zu gebrauchen, ist auch häufig die bewußte Erregung von Abneigung, ja sogar Haß gegen alles „Gojische" — und dadurch unschwer in ihm eine jüdische Stimmung erzeugen, die man bei dem andern wiederum durch ästhetisch wirkende Mittel, jüdische Literatur, Jargonlieder, Bilder mit jüdischen Motiven gleichfalls erreichen wird. Man könnte aoch verschiedene Typen in ähnlicher Weise durchsprechen. Das verzogene Muttersöhnchen (vgl. Emil Cohns Artikel), den eitlen „Fatzke" usw. Ich denke, es erübrigt sich. Mir lag nur daran, unter Berücksichtigung der im ersten Teil aufgestellten Forderungen und an der Hand zweier besonders charakteristischer Typen eine Probeillustration zu liefern dafür, wie ich mir denke, daß es in der Praxis gemacht werden soll. Assimilation und Zionismus Von M. B i 1 e s k i (Maccabaea A. H.), Berlin Zu den Merkmalen der gesteigerten Anteilnahme an jüdischen Dingen und der allmählichen Ausdehnung des Kreises der an ihnen Interessierten gehört es vielleicht auch, daß in letzter Zeit zweite Auflagen von Büchern erscheinen, die sich mit jüdischen Gegenwartsfragen beschäftigen. Noch vor kurzem wurde es als feststehend angesehen, daß ein unsere Probleme behandelndes Buch mit dem erstmaligen Erscheinen seinen Weg gegangen