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Der jüdische Student · 1911-11-24 · Heft 8 (24.11.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 8 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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236 Der jüdische Student zu befriedigen: den Nahrungsaufnahmetrieb und den der Erhaltung der Art. Als Junge hat er sich gern geprügelt; wenn er zu uns kommt, wird er rasch mensurlüstern. Jeder von diesen beiden — es kommt nicht darauf an, die Bilder bis ins kleinste auszumalen — ist das Supplement des anderen. Wenn der Eine dem Anderen und umgekehrt die Hälfte seiner Anlagen und Neigungen abgeben könnte, kämen zwei leidlich passable Menschen heraus. Es wird sich also für den Erzieher, Fuxmajor oder Leibburschen, in beiden Fällen darum handeln, bei dem Fuxen die Fähigkeiten und Neigungen auszubilden, die bei ihm brachliegen, aber doch in ihren Keimen zumeist da sind, und alles das zurückzudämmen, was das übrige zu überwuchern droht. Aber bitte auch hier keine Schablone! Es dürfen keine Versuche in einer Richtung gemacht werden, wo keine Anlagen da sind, oder sich die vorhandenen Anlagen sträuben. Zum Beispiel: ein rustikaler Fux hat nun einmal keinen Sinn für literarische Dinge — es ist ihm nicht zum Vorwurf zu machen —, so wird man ihn nicht mit Stefan George oder Baudelaire quälen. Dagegen wird man ihm mitzuteilen suchen, was man als elementar auf diesem Gebiete kennen muß. So habe ich einmal, natürlich außerhalb der Fuxenstunde, mit zwei Füxen, die zugestandenermaßen noch nie den Goethe aufgeschlagen hatten, planmäßig und mit leidlichem Erfolge „Dichtung und Wahrheit", verschiedenes aus der Lyrik und auch einiges aus Shakespeare gelesen. Oder: ein Städtisch-Verbildeter hat einen starken ästhetischen Widerwillen gegen bestimmte Arten des Sports. Man hat natürlich energisch darauf zu dringen, daß er ficht, daß er turnt, evtl. auch daß er rudert. Dagegen wird man ihn nicht gegen seinen Willen, womöglich gewaltsam, zu Pferde-, Rad- oder Autorennen, Fußballwettspielen und ähnlichen Veranstaltungen mitnehmen, gegen die sich seine Natur nun einmal von Grund aus sträubt. Es wird darauf ankommen, einen Ausgleich zu schaffen zwischen den von dem Zögling selbst bevorzugten und den vernachlässigten Anlagen. Der Erzieher wird demnach auf der einen Seite nachhelfen, auf der anderen abdämpfen müssen, aber immer so, daß die eigentliche Grundanlage unverkümmert erhalten bleibt. Also, der einst Rustikale soll und darf seinen frischen Erdgeruch nicht einbüßen und der ehemals Städtisch- Verbildete wird nicht aufhören, sich schöngeistig zu be-

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