Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 8 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 235 Nest! Ganz abgesehen davon, daß man damit den Ruf der Familie ernsthaft gefährdet. Das sind so ungefähr die Komponenten, aus denen das ideale Ziel unserer korporativen Erziehung resultiert. In dem zweiten Teil meiner Ausführungen dachte ich anfangs den Versuch eines methodischen Systems für praktische Fuxenerziehung zu geben — um Mißverständnissen vorzubeugen, nicht etwa für den wissenschaftlichen Fuxenunterricht — als Grundlage für eine Kritik und Diskussion. Ich bin zu der Ueberzeugung gekommen, daß ein solches System erstens nicht möglich ist und selbst, wenn es möglich wäre, mehr schadete als nützte. Von Uebel wäre es, weil dann der bis in die kleinsten Einzelheiten verfeinerten Art unserer Erziehungsarbeit, wie sie uns vorschwebt, die angstlich zu vermeidende Gefahr der Schabionisierung drohte. Und ausgeschlossen erscheint es mir vollends schon deshalb, weil, wenn irgendwo, so dieses Höchste an Erziehungskunst, das wir zu leisten vorhaben, nur gerade ohne ein solches System bei strengster Individual-Erziehung erreicht werden kann. So will ich mich denn damit begnügen, an der Hand einiger wohl häufig vorkommender Fuxentypen etliche Hinweise zu geben. Natürlich kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen, deren Richtigkeit mir aber von manchen Seiten mehrfach bestätigt worden ist. Ich habe die Beobachtung gemacht, daß die Fuxenindividuen in ihrer bei weitem überwiegenden Mehrzahl Nüancen darstellen zwischen zwei Grenztypen, die sich als Antipoden gegenüberstehen. Ich nenne den einen den Städtisch-Verbildeten, denandern den Rustikalen. Ich denke, man wird diese Terminologie verstehen. Fast alle anderen, wie gesagt, bilden dazwischen Nüancen. Der Städtisch-Verbildete pflegt körperlich verweichlicht zu sein, mit starkem Hang zur Sentimentalität. Er mag auch psychisch differenziert sein, was allerdings sicherlich in 50° 0 aller Fälle nichts als Einbildung, Koketterie oder Großmannssucht ist. Er hat selbstverständlich ausschließlich schöngeistige Interessen. Sport findet er plebejisch, Politik kümmert ihn nicht: das ist etwas für Herdentiere, er aber kultiviert seine Individualität Der Rustikale ist völlig unberührt. Er hat einen starkscholligen Erdgeruch an sich, wäscht sich nur wenig, ist von einer rührenden geistigen Bedürfnislosigkeit und sucht seine elementaren Triebe