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Der jüdische Student · 1911-10-10 · Heft 7 (10.10.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 7 (10.10.1911)
Date
1911-10-10
Page
[Seite] (sequence 42)
Language
German
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222 Der jüdische Student genommen hat. Näheren Aufschluß gibt der gesonderte Bericht in dieser Nummer. Der V. J. St. Marburg hat jedenfalls in Ehren geschlossen; unser Verhalten wurde nicht allein vom Universitätsrichter als „korrekt und ehrenhaft" anerkannt, sondern sogar die Marburger Studentenschaft steht zum größten Teile auf unserer Seite. Wie man hört, wollen einige Verbindungen unter Führung des A. T. V. beim Ausschuß gegen die Burschenschafter und Turnerschafter einschreiten. Ob nun aber unser dauernder Weggang von Marburg der allgemeinen Sache, d. h. der Wahrung des jüdischen Ansehens, von großem Nutzen ist, das ist eine andere Frage. Ich glaube, es muß auch im Interesse des B. J. C. liegen, daß unser jüdischer Name bei der nichtjüdischen Studentenschaft hochgehalten werde; denn wir V. J. St.-er haben jetzt mit unserem Abzug die Pflicht auf uns genommen, auch weiter für unseren guten Ruf zu sorgen. Nicht etwa in der Weise, daß das Präsidium bestimmte Ueberweisungen nach Marburg vornehmen soll; sondern ich denke es mir so. In späteren Semestern müssen immer die hessischen V. J. St.-er zwecks Examen einige Zeit in Marburg zubringen. Unter Leitung der V. J. St-er sollten nun dort die jüdischen Akademiker sich vereinigen. Ein paar tüchtige Fechter sind immer darunter; vielleicht wäre es dann sogar unsere Pflicht, einige handfeste Leute hinzuschicken. Denn unsere äußere Würde behaupten wir ja doch nur mit den Waffen. Jeder trennende Unterschied der Aktivitätszeit muß da verschwinden; seien es nun K. C.-er oder K. Z. V.-er oder Wilde, immer sind es nur Juden, die ihren Namen zu verteidigen haben. Notwendig ist eine solche Einrichtung jedenfalls, denn man hat ja viel zu wenig Ahnung, wie antisemitisch die Marburger Studentenschaft verseucht ist. Zum Beispiel hatte da zu Beginn der Ferien Bbr. Jacobson, der jetzt in Marburg weilt, wieder eine antisemitische Contrahage mit einigen V. D. St.-ern. Jacobson forderte die Leute auf Pistolen und belegte bei dem A. T. V., da wir als Corporation nicht mehr bestehen. Das E. G. sägte alle Partieen ab und zwang die Beleidiger zu unbedingter Revokation und Deprekation. Solcherlei kann auf einem so engbegrenzten Räume, wie in Marburg, wo die Reibung sehr groß ist, natürlich täglich passieren. Aus diesem Grunde müssen wir eben darauf bedacht sein, eine Art „Akademikerstammtisch", der hauptsächlich zur Abwehr der Angriffe dienen soll, zu gründen. Zu Beginn der Ferien lenkte unsere Tätigkeit in ruhigere Bahnen ein. Wir keilten in und hauptsächlich um Marburg fest. Wenn auch in unserer Gegend jetzt kein Abitur stattfindet, sondern erst zu Ostern, so hoffen wir durch diese frühe Arbeit desto mehr erreichen zu können. Nur zu Ende des Semesters veranstalteten wir in Gießen eine Keilkneipe, zu der uns sechs

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