Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 7 (10.10.1911)
- Date
- 1911-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 191 prinzips der früher ihm anhaftende Charakter der Schwerfälligkeit genommen worden ist, daß schließlich die geänderte Wahlbestimmung zum Kongreß den gleichmäßigen Eingang des Schekels in beiden Jahren einer Kongreßperiode sichert und dadurch das auch auf diesem Kongreß noch nicht gelöste Finanzproblem um ein kleines Stück vorwärts gebracht hat. Hat der Kongreß so bewiesen, welche Sorge er der Erstarkung unseres zionistischen Körpers, der Organisation, widmet, so hat er auf der anderen Seite nicht vergessen, daß die Seele es ist, die den Körper bildet. Unsere idealsten Anstrengungen sind darauf gerichtet, in Palästina ein kulturelles, jüdisches Zentrum zu schaffen. Wir sehen die Anfänge dieser neuen jüdischen Kultur in jenem Lande erstehen, wie wir den künftigen freien, auf eigener Scholle sich auslebenden Juden aufwachsen sehen. Im Hinblick auf dieses Ziel gilt es, alle Kräfte aus der Gebundenheit des Golus zu lösen und sie zur nationalen Erziehung des jüdischen Volkes in Palästina und den Ländern der Diaspora zu verwenden. Da es schon heute gewiß ist, daß die kommende jüdische . Kultur von der altneuen hebräischen Sprache getragen wird, konnte der Kongreß mit Recht als die übereinstimmende Ueberzeugung der verschiedenen Strömungen und Fraktionen kundgeben, daß unsere Kultur- und Erziehungsarbeit aufs innigste zusammenhängt mit der hebräischen Sprache und mit all den Kulturschätzen, die unser Volk seit Jahrtausenden aufgehäuft hat. Die Kultur- und Erziehungsarbeit ist. ein mühevolles Beginnen, da überall noch aus den Verhältnissen herausgewachsene Schwierigkeiten hemmend sich auftürmen und antinationale Tendenzen von erheblichem Einfluß absichtsvoll sich entgegenstellen. Und sie ist als ein das innerste Leben des jüdischen Volkes berührendes Unternehmen längst von großer Dringlichkeit. Schon auf früheren Kongressen hat die Kulturfrage eingehende Behandlung gefunden. Der V. Kongreß ist aber nur dazu gelangt, allen Zionisten die Pflicht zur Mitarbeit an der großen Aufgabe aufzuerlegen. Mit Rücksicht auf sich kraß bekämpfende Strömungen im Zionismus hat die Organisation als solche bisher keinen aktiven Anteil an dieser Arbeit genommen. Sie hat zugesehen, wie unbeeinflußt von ihr