Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 7 (10.10.1911)
- Date
- 1911-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537691-3537698--2042-3540159- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
190 Der jüdische Student seitiger, dem Programm entsprechender geworden. Und gerade der jüngste Kongreß hat in diesem Geiste trefflich gewirkt durch die endliche Inangriffnahme der so wichtigen Kulturarbeit. Eine Fraktion derer, die den Punkt 4 des Baseler Programms in besondere Obhut nehmen will, wäre von der Zeit also längst überholt. Die als politische Maxime behandelte Frage der Wahl des Vorsitzenden des E. A. C. ist auch wohl kaum geeignet, Parteigegensätze mit den alten ehrwürdigen Namen zu schaffen. Es bleibt eigentlich nur folgendes übrig, worin sich seit dem X. Kongreß keine Aenderung vollzogen hat. Es gibt heute niemand mehr, der die praktische Arbeit nicht will. Diese Arbeit muß natürlich geschehen nach Maßgabe unserer Kräfte und der ökonomischen, politischen und kulturellen Möglichkeiten in Palästina. Sowohl über die Grenzen dieser Möglichkeiten als auch über Art, Maß und Tempo der Arbeit innerhalb dieses Rahmens herrschen Meinungsverschiedenheiten, die ein gruppenweises taktisches Handeln rechtfertigen. Das Auseinandergehen der Ansichten in diesen Dingen kann die Konsequenz einer Parteianschauung sein, wie wir das bei der Fraktion Misrachi beobachten konnten; aber es liefert selbst als Tatsache nicht die Elemente zur Bildung einer Partei im Zionismus. Es ist nicht zu befürchten, daß längst überlebte Parteigegensätze in der Bewegung wieder zu neuem Leben erwachen. Auch liegt kein Bedürfnis vor, die nach langen verzweifelten Kämpfen angebahnte Verständigung, die in der Schlußsitzung des Kongresses ehrlichen und aufrichtigen Ausdruck gefunden hat, neuerdings zu gefährden. Die Tatsache des Friedensschlusses in der Bewegung verleiht den Arbeiten des X. Kongresses erhöhte Bedeutung. Es braucht nicht hervorgehoben zu werden, welche Garantien eine starke gefestigte Organisation für den Fortschritt einer Bewegung bietet. Es sei nur ganz kurz darauf hingewiesen, daß durch die neuen Bestimmungen des Organisationsstatutes das kollegiale E. A. C. als verantwortliches Exekutivorgan der zionistischen Bewegung sozusagen in Permanenz erklärt worden ist und in höherem Maße die Möglichkeit hat, mit der weit verzweigten Gesamtbewegung Fühlung zu gewinnen und sie zu beeinflussen, daß dem großen A. C. durch Herabsetzung der Mitgliederzahl und durch möglichste Ausschaltung des Landsmannschafts-