Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 7 (10.10.1911)
- Date
- 1911-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Der jüdische Student kulturelle Kräfte sich regten, und sich darauf verlassen, daß die ausgedehnte Erziehungsarbeit seitens der großen, nicht auf jüdisch-nationalem Boden stehenden Organisationen aus dem Zwange der sich in unserem Sinne entwickelnden palästinensischen Lebensverhältnisse heraus mehr und mehr in nationaler Richtung geleistet werde. Damit diese Entwicklung sich vollziehe, muß die nationaljüdische Gesamtheit das Kulturwerk als eigenste Aufgabe betrachten. Der X. Kongreß hat dementsprechend die bisher von Strömungen im Zionismus und außerhalb der Bewegung als Kampfobjekt behandelte Frage der Kultur und Erziehung zu einer in seine Kompetenz fallenden Volksfrage gestempelt, deren Lösung Sache der Organisation ist. Er hat es getan im Bewußtsein der schweren Verantwortung, ungeachtet des Protestes der für diesen Fall den Austritt erwägenden Misrachifraktion. Durch dieses Herausheben der Kulturarbeit aus der einengenden Sphäre einzelner Richtungen ist die freie Entfaltung aller Kulturkräfte gesichert. Damit steht nicht im Widerspruch der im Laufe der zionistischen Geschichte wiederholt grundsätzlich betonte und auch jetzt für die Kulturarbeit gefaßte Beschluß, daß in keiner der von der zionistischen Organisation geschaffenen Institutionen irgend etwas unternommen werden darf, was der jüdischen Religion zuwiderläuft. Der tiefe Zusammenhang unserer nationalen Kultur mit unserer nationalen Religion läßt uns diesen Beschluß nicht als ein hemmendes Moment für die freie Entfaltung aller Kulturkräfte empfinden, sondern als eine selbstverständliche Voraussetzung. Andererseits ist damit auch keinerlei Einzwängung der Fortbildung der jüdischen Religion in eine bestimmte, einseitige Richtung gewollt. Beide Richtungen unserer Religion müssen sich aus dem einem gesunden Leben entgegenstehenden Goluselend befreien können und die Möglichkeit haben, die starken, nationalen Wurzeln ihrer Kraft tief einzusenken in das Erdreich von Erez Israel. Der Kongreß hat einen Unterschied gemacht zwischen der Kultur- und Erziehungsarbeit in Palästina und dem Orient und der Arbeit in den Ländern der Diaspora. Während er die Arbeit in Palästina und dem Orient direkt der Organisation zuwies und das E. A. C. aufforderte, sie zu organisieren und zu zentralisieren, erklärte er die Arbeit in den Ländern der Diaspora für eine autonome An-