Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 5-6 (20.9.1911)
- Date
- 1911-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Der jüdische Student Auch das jüdische Leben schläft ziemlich tief; nur wenige Versammlungen und Vorträge finden statt; der Kampf, der sonst so heftig zwischen den einzelnen Parteien im Judentum brennt, muß einem Waffenstillstand Platz machen. All das wirkt natürlich auch auf das Leben im V. J. St. Während sich im Winter eine stattliche Korona von Bundesbrüdern in Berlin zusammenfindet, kommen im Sommer weniger hierher. Wir waren in diesem Semester 16 Aktive, darunter zwei erstsemestrige Füxe. Die (verhältnismäßig) kleine Anzahl hatte aber durchaus nicht eine Sterilität im Vereinsleben zur Folge. Im Gegenteil, sie bewirkte, daß sich die Bundesbrüder sehr eng zusammenschlössen und miteinander wahrhaft befreundet wurden. Und man übersehe nicht, wie wertvoll das ist. Was nutzen alle Tendenzparagraphen, was alle guten Absichten, für das Judentum zu kämpfen und zu arbeiten, wenn die Leute, die sich zu diesem Kampfe zusammengefunden haben, nicht einig sind und zusammenstehen? In den Fuxenstunden wurden von geeigneten Bundesbrüdern außer im Comment namentlich in jüdischer Geschichte und jüdischen Zeitfragen unterrichtet. Wöchentlich wurden Referate aus jüdischen Zeitungen gehalten, in denen die einzelnen Bundesbrüder berichten mußten, was Wissenswertes in der Woche vorgefallen war und welche Artikel ihnen interessant und lehrreich erschienen. Außerdem wurden einige Vorträge gehalten: Dr. Mossinsohn sprach über „jüdische Kultur und Sprache", Bbr. Lichtigfeld über Josephs Buch: „Das Judentum am Scheidewege", A. H. Unna über die jüdische Turnbewegung, Bbr. Drey über „Leibbursch und Leibfux" und A. H. Wolff über „Herzl als Politiker und Künstler". Von größeren Veranstaltungen ist besonders ein Sommerfest zu erwähnen, das etwa zweihundert Personen mit dem Dampfer nach Friedrichshagen führte. Einen besonders nachhaltigen Eindruck machte dabei die Ruderabteilung, deren Mitglieder sich auf fünf Booten als außerordentlich gut geschult zeigten. Hoffen wir, daß dem wohlgelungenen Sommersemester ein inhaltsreiches Wintersemester folge. 1. VIII. 11. Berthold GoldsteinX * * * Breslau. Die Aussichten für ein Sommersemester in Breslau sind für gewöhnlich nicht sehr günstig; wählen doch die meisten Bundesbrüder, speziell aber fast alle ersten Semester, für den Sommer eine süddeutsche Universität als Studienort. Um so erfreulicher ist es, daß das vergangene Sommersemester 1911, das 24. unseres Bestehens, wenn wir am Schlüsse auf seinen Verlauf zurückblicken, als ein recht glückliches, durch rege Vereinstätigkeit ausgezeichnetes bezeichnet werden kann.