Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 5-6 (20.9.1911)
- Date
- 1911-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 165 schon fast 7 mal so viel als in der älteren; umgekehrt Händler, Gastwirte usw. 4 mal so wenig. Das bedeutet also, daß die Generation der Großväter sozial wesentlich niedriger differenziert ist; daß ein kolossaler Aufstieg von den sozial niederen zu den sozial höheren Schichten hin stattgefunden hat Speziell den Aufstieg in die akademische Schicht können wir noch durch andere zahlenmäßige Angaben verdeutlichen. Aus Frage 14 kann man die Gesamtzahl der Kinder feststellen, die die 1601) Väter unserer Akademiker hatten, nämlich im ganzen 780 Kinder, auf die Familie etwa 4,9. Das entspricht der allgemein üblichen Annahme von 5 Kindern durchschnittlich pro jüdische Familie. Diese Zahl kann ohne Bedenken auch auf die nächstältere Generation übertragen werden. Die Zahl der Akademiker unter diesen 780 Kindern nun betrug, wie sich aus Frage 17 ergab, 35 (22 mal sind Brüder des Vaters, 13 mal der Vater selber akademisch gebildet gewesen). Dagegen sind unter der gleichen Anzahl von 780 Kindern der Akademikergeneration selber 235 Akademiker (nämlich zu den 165 Akademikern selber kamen noch 70 mal Brüder mit Hochschulbildung). Diese horrende Zahl darf aber zum Vergleich nicht benutzt werden, weil die Generationen nicht ohne weiteres vergleichbar sind. Denn die Familien der Akademikergeneration sind ja nicht, wie die älteren, irgend beliebige, sondern von vornherein quasi so „ausgewählte", daß jede mindestens einen Akademiker hatte. Was also tun? Nun, selbst wenn wir sehr gewaltsam vorgehen und zunächst einmal unsere sämtlichen, 165 Akademiker weglassen, was natürlich zu weitgehend ist, bleiben immer noch 70 Akademiker übrig. Das heißt also: die Zahl der Akademiker innerhalb einer Familie hat sich von einer Generation zur nächsten verdoppelt; unter Berücksichtigung des obigen Gewaltaktes kann man sogar ruhig annehmen, verdreifacht. Die Tatsachen, von denen diese Zahlen reden, sind ja den meisten von uns aus eigener Erfahrung bekannt. Jeder kennt aus früheren Zeiten den Typ des „einzigen Studierten", des „Stolzes" der Familie, und weiß, daß es jetzt nur wenige „bessere" jüdische Familien gibt, wo nicht gleich mehrere Aerzte und Rechtsanwälte den „Jichus" heben. Ein Beispiel für viele: Mein Großvater, Landwirt und Getreidehändler, hatte drei Söhne. Keiner von ihnen hat studiert, aber jeder hat einen Sohn, der Akademiker ist. Ich bin am Ende meiner tatsächlichen statistischen Feststellungen. Bevor ich aber schließe, möchte ich noch auf eine Frage eingehen, an die mancher vielleicht schon bei der Lektüre x) 160 statt 165, weil 5 von den Akademikern Brüder waren, ihre Väter also hier nur einmal gerechnet werden durften.