Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 5-6 (20.9.1911)
- Date
- 1911-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 163 liegt, ist hier nicht Ort und Aufgabe zu untersuchen. Aber auch für die jüdischen SpezialVerhältnisse möchte ich auf weitere Folgerungen für diese Berufskategorie verzichten, sowohl weil unsere Zahlen absolut zu gering sind, und dann auch, weil in Ostpreußen wie im Osten überhaupt die Industrie noch keine große Rolle spielt. Kommen doch an der Universität Königsberg auch jetzt noch (1905/06) aus der Industrie nur halb so viele (8° 0) Studenten als an den preußischen Universitäten insgesamt. Die letzte. Gruppe der Tabelle IV, die „Lehrer, Kultusbeamte usw.", liefern etwa 6,1% Studierende. Ein Vergleich ist in dieser Gruppe außerordentlich schwierig, weil die darin enthaltenen einzelnen Berufe zum Teil spezifisch jüdischer Art sind, die ihresgleichen bei den Christen nicht hat. 'Außerdem ist der preußischen Hochschulstatistik die Einteilung der Berufsstatistik zu Grunde gelegt, die „Kirche und Gottesdienst" von „Erziehung und Unterricht" trennt. Der ganz überwiegende Teil dieser Gruppen, soweit sie Studierende stellen, kommt überdies auf den Stand der „Lehrer ohne akademische Bildung", der gerade bei den Juden bekanntlich sehr wenig vertreten ist. Um aber trotzdem für diese wichtige Gruppe wenigstens ungefähr einen Vergleich zu ermöglichen, habe ich aus den entsprechenden Tabellen der preußischen Universitätsstatistik, die die oben erwähnten Kategorien behandeln, die akademisch Gebildeten abstrahiert und dann die Prozentzahlen berechnet. Dann ergibt sich eine Differenz um etwa V4 — 6% gegen 8,40/0 — die sich aber erklärt, wenn wir zusehen, auf welche Fakultäten sich die Studierenden aus dieser Gruppe im allgemeinen verteilen. Die Hälfte wendet sich der theologischen, etwa V* der philosophischen Fakultät zu, von denen die Juden aber gänzlich oder sehr wesentlich ausgeschlossen sind. In eine Untersuchung über die Herkunft der jüdischen Akademiker gehört noch eine Reihe von anderen Fragen, wie sie auch in der offiziellen Universitätsstatistik behandelt sind, z. B. wie oft die Söhne von Akademikern dem Berufe des Vaters treubleiben; wie sich die Zahl der akademisch gebildeten Väter auf die einzelnen Fakultäten verteilt; in welchem Verhältnis die einzelnen Berufsgruppen Studierende in die verschiedenen Fakultäten schicken usw. usw. Die Beantwortung muß aber in dieser Untersuchung unterbleiben, weil das Material dazu viel zu gering ist. Das kolossale Eindringen von Söhnen von Kaufleuten usw. in die akademischen Berufe bedeutet offenbar einen sehr erheblichen sozialen Aufstieg innerhalb der deutschen Juden. Diese Aufwärtsbewegung läßt sich noch von anderer Seite her erweisen. Den Weg der offiziellen Universitätsstatistik, die die soziale Stellung der Väter durch die Scheidung in „Selbständige" und „Hilfspersonal usw." noch schärfer zu erfassen sucht