Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 5-6 (20.9.1911)
- Date
- 1911-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Der jüdische Student deutschen Juden. Vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts haben sich Juden doch immer nur in verschwindender Anzahl dem Universitätsstudium zugewandt, und trotz des nachher recht bald einsetzenden Andranges braucht es natürlich noch Generationen, bis nach dieser Richtung hin sich annähernd gleiche Verhältnisse wie bei der umgebenden Bevölkerung ausbilden können. Dazu kommt, daß es gewisse akademische Berufsgruppen gibt, die, nach gültiger statistischer Feststellung, ein besonders hohes Kontingent von Studierenden liefern — Lehrer, Verwaltungsbeamte; evangelische Geistliche etc. — denen aber die Juden teils sehr unfreiwillig fernbleiben müssen, teils aus natürlichen Gründen nicht angehören können. Von großer ursächlicher Bedeutung ist aber auch die Abnormität der allgemeinen beruflichen Gliederung der deutschen Juden, die durch den schon erwähnten minimalen Anteil der Landwirtschaft und durch die dominierende Stellung von „Handel und Verkehr" gekennzeichnet ist. Es ist natürlich, daß infolgedessen eine übermäßig große Zahl von Studierenden aus dieser letzteren Berufsgruppe stammen wird, und dementsprechend die Anteile der anderen herabdrücken wird. Allerdings lehrt die Tabelle IV, daß der Prozentsatz der Studierenden, der auf „Handel und Verkehr" fällt, noch über Erwarten hoch ist. Genau % — 80>& % — der Väter jüdischer Studierender gehören Berufen des Handels und Verkehrs an, während bei der Gesamtheit der preußischen Studierenden nur Ys — 20,4 % — der Väter in dieser Gruppe rangiert. Dieser also viermal so große Anteil von „Handel und Verkehr" an der Gestellung von Studierenden bei den Juden wird aber in das richtige Licht zurückgestellt, wenn wir die Beteiligung der gesamten und der jüdischen berufstätigen Bevölkerung an dieser Berufskategorie vergleichen. Sie beträgt bei den Juden (1895) 53,5% (J. Segall, ZDStJ. VI, 1910, p. 101), bei der Gesamtbevölkerung dagegen nur 10 %• Daraus geht also hervor, daß auch für die Gesamtbevölkerung die Herkunft der Studierenden aus Handel und Verkehr eine relativ sehr zahlreiche ist, nämlich doppelt so viel als es dem Prozentteil der berufstätigen Bevölkerung überhaupt entspräche. Der wohlhabende Kaufmann ließ eben von jeher und bei allen Völkern gern seine Söhne studieren. Trotzdem aber bleibt für die jüdischen Akademiker der Anteil dieser Berufskategorie ein ganz enormer und abnormer. Für die Gruppe „Industrie und Gewerbe" fallen die geringen Zahlen — nur 4,8 % — auf, da doch der Anteil der Juden daran gar nicht so gering ist (20,6% 1895) und dauernd zunimmt (23,6 % i. J. 1907). Allerdings ist die Herkunft von Studierenden aus dieser Gruppe auch im allgemeinen erheblich geringer (15 %), als nach dem Prozentsatz innerhalb der Erwerbstätigen überhaupt (35 %) zu erwarten wäre. Woran das im allgemeinen