Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 5-6 (20.9.1911)
- Date
- 1911-09-20
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Student 161 liehen Berufe gegeben, zunächst noch ohne Zusammenfassung in größere Gruppen; aber schon aus dieser vierteiligen Aufstellung kann man das Kennzeichnende ersehen: die überaus geringe Zahl der Akademiker, das Ueberwiegen des Handels und das fast völlige Fehlen der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft lasse ich deswegen aus der weiteren Besprechung fort; ich muß allerdings bemerken, daß noch in etwa 5—6 Fällen die Angabe „ . . . . und Gutsbesitzer" gemacht worden war. Wer die Verhältnisse dieser „Auch-Agrarier", namentlich in kleinen Städten, kennt, wird es berechtigt finden, daß ich sie im Hauptberuf nicht der Landwirtschaft zugerechnet habe. Um ein schärferes Bild zu gewinnen, habe ich in Tabelle IV diese einzelnen Berufe in die entsprechenden Hauptgruppen, z. T. nach der offiziellen Berufsstatistik, eingeteilt, und daneben die Prozentzahlen für die Gesamtheit der preußischen Studierenden Tabelle IV. Berufsgruppen Juden 1 °/ 1 >o Insgesamt °/ /o Akademiker...... 13 7,9 25,5 Industrie und Gewerbe . . 8 4,8 15,6 Handel und Verkehr . . . 133 80,6 20,4 Lehrer, Kultusbeamte etc. . 10 6,1 8,4 gesetzt. Diese Zahlen der letzten Kolumne stellen das Mittel aus den Jahren 1886/87, 1895/96, 1902/03 dar und sind aus den absoluten Zahlen der entsprechenden Tabellen der „Preußischen Statistik" (Band 102, 150, 204) umgerechnet. Das Ergebnis ist ein frappierendes, besonders bezüglich der akademisch gebildeten Väter. Kaum 8%, d. i. etwa x/12, der jüdischen Studierenden stammen aus Schichten der Gesellschaft, in denen von akademischer Familientradition gesprochen werden kann, während von den Vätern aller preußischen Studierenden mehr als 1/4[ — 25,5 °/0 — Hochschulbildung genossen haben. Die Zahl der akademisch gebildeten Väter ist also bei der Gesamtheit dreimal so groß als bei d e n J u d e n allein. Ich möchte diese Tatsache als eines der wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchung hinstellen. Sie ist umso bemerkenswerter, als ja bekanntlich der Anteil der Juden an den Studierenden ein außerordentlich viel höherer ist, als der der Gesamtbevölkerung. Kommen doch (1905/06) auf 10 000 männliche Bewohner überhaupt annähernd 9, bei den Juden aber 58,7 Studierende, also 6—7 mal soviel. Die Ursachen für diese auffallenden Unterschiede liegen ziemlich offen zutage. In erster Reihe ist es die andersgeartete historische Entwicklung der akademischen Berufe bei den