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Der jüdische Student · 1911-09-20 · Heft 5-6 (20.9.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 5-6 (20.9.1911)
Date
1911-09-20
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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156 Der jüdische Student Dieser Standpunkt hat allerdings nichts zu tun mit dem „Kavaliersstandpunkt", den, übernommen von Adel und Offizierkorps, heute noch zahlreiche studentische Kreise vertreten, mit der Auffassung, daß die Ehre eines Beleidigten reparaturbedürftig ist, bis er sich Genugtuung geholt hat, und falls er diese nicht fordert, für immer kaput ist. Hier Kritik zu üben ist nicht unseres Amtes; jedenfalls können jene Kreise eine lange geschichtliche Entwickelung und eine alte, ihnen ehrwürdige Tradition für ihren Standpunkt geltend machen, und das soll man respektieren. Aber es würde uns, deren Vorfahren damals, als sich dieser Ehrbegriff im Rittertum herausbildete, das fast zum Vieh herabgewürdigte wehrlose Opfer in den Händen des europäischen Adels waren, und die es gewiß nicht den heutigen Vertretern dieser Anschauungen zu danken haben, wenn es jetzt anders geworden ist, es würde uns schlecht anstehen, uns jetzt, da dieser Ehrenstandpunkt in arischen Kreisen bereits stark ins Wanken gekommen ist, als seine Schildhalter vorzudrängen und etwa durch sein besonderes Betonen uns jenen Leuten empfehlen zu wollen. Eine schneidige, wehrhafte junge Mannschaft wollen wir sein! Mit der tausendjährigen Ehre unseres Stammes, den allein man ja in uns beleidigen will, haben diese Dinge nichts zu tun. Wenn wir zu dem jüdischen Studenten, der sich nicht mit der Waffe seiner Haut wehren will, kein rechtes Verhältnis finden können, so kommt das eben nur daher, daß unserm frischen, Leben und Kraft atmenden jungen Judentume ein junger Kerl, der sich mißhandeln läßt und sich dann feierlich i-n seine Philosophie hüllt, unverständlich und unsympathisch ist. Ist schon nicht Feigheit die Ursache, so ist es doch ein kleiner und dünkelhafter Egoismus, dem lieben „individuellen Standpunkt" zuliebe dort zu versagen, wo das Ansehen der Gesamtheit so dringend ein männliches und Respekt gebietendes Auftreten verlangt. Also jederzeit waffengeübt und kampfbereit, das letztere aber mit einer Ausnahme! Und für die Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit dieser Ausnahme unaufhörlich den jüdischen Studenten das Gewissen zu schärfen, und wenn sie es nicht von selbst begreifen wollen, ihnen klar zu machen, daß hier ihre Ehre, nicht eine vermeintliche, nachempfundene,

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