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Der jüdische Student · 1911-09-20 · Heft 5-6 (20.9.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 5-6 (20.9.1911)
Date
1911-09-20
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Der jüdische Student 153 sich mit dem Antisemitismus abzufinden, ihm nicht zusteht. Soll ihm das Kämpfertum nicht Phrase sein, die er aufgenommen hat, weil das Wort so heute von Mund zu Munde geht im deutschen Judentum, sondern will er wirklich ein Kämpfer sein für die Ehre seines Stammes und um einen angemessenen Platz auch im materiellen Leben, dann muß er im Gegenteil jenes Feindestum, das als kompakte und sehr reale Macht uns überall umdroht, fest ins Auge fassen, jede seiner Lebensäußerungen zu erkennen und zu verstehen suchen und lernen ihm mit Erfolg zu begegnen. Er muß sich klar sein mit einem Wort, daß seine Position in der Studentenschaft eine besondere, aus allen übrigen herausgehobene ist; und diesen besonderen, nur für ihn geltenden Bedingungen hat er bei der Stellungnahme zu jeder Frage, die im akademischen Leben an ihn herantritt, Rechnung zu tragen. Der christliche Student, der, wenn es ihm beliebt, als unbekannter und unbeachteter Einzelmensch durch die Universitätsjahre gehen kann, dessen Verhalten für das Schicksal seines Volkes und seiner Religionsgemeinschaft ohne Belang ist, kann sich den Luxus erlauben, sich zur Duellfrage seine ihm persönlich zusagende oder bequeme Theorie anzuschaffen, und auf sie hinweisend jedem Ehrenhandel aus dem Wege zu gehen Wir jüdischen Studenten sind ein kleiner, jederzeit kenntlicher Haufe, der durch sein bloßes Vorhandensein unaufhörlich Angriffe, meist rohester Art, provoziert und dabei einzig auf sich und nur auf sich allein angewiesen ist; die Behandlung, die man uns zuteil werden läßt — und es ist nicht gleichgültig für uns, ob wir in Ruhe unsere Studien betreiben können oder unter fortwährenden Angriffen und Kränkungen unsere besten Kräfte verzehren — sie ist schließlich doch nur davon abhängig, wie weit man meint, uns fürchten zu müssen. Und damit ist die Antwort, wie wir uns zur Satisfaktionsfrage stellen sollen, gegeben: sich wehren! Sich wehren so mannhaft und so nachdrücklich, daß nicht nur jeder Angriff wirksam zurückgewiesen wird, sondern den Leutchen die traditionelle Lust, uns zu Objekten ihrer Pöbelhaftigkeiten zu machen, vergeht. Wer sich weiter in der Rolle gefallen will, die wir ein halbes Jahrhundert mit so kläglichem Erfolge für uns selbst gespielt haben, sich überall, wo um allgemeine Menschheitsfragen

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