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Der jüdische Student · 1911-09-20 · Heft 5-6 (20.9.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 5-6 (20.9.1911)
Date
1911-09-20
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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152 eine merkwürdige Art von Kämpfern sehen, die mit jenen Unentwegten von damals eine gewisse zarte Seelenverwandtschaft haben: sie bekämpfen nämlich den Antisemitismus mit Nichtachtung! Die böse Judenfeindschaft ist ganz gewiß eine sehr schlechte Sache, unserer aufgeklärten Zeit gänzlich unwürdig, und da soll man diesen Leuten die Ehre antun, sie zu bemerken oder gar bei der Gestaltung seines Lebens auf sie Rücksicht zu nehmen! Nein, sagen diese neuen Makkabäer, sie sollen sich schon ärgern, wenn sie sehen, daß sie für uns Luft sind. Und nun gehen diese guten Leute durchs Leben, als wenn sie der Eiseskälte, mit der alle Welt uns begegnet, nie einen Hauch verspürt haben. Sie arbeiten, wenn sich zu gutem Zwecke die Gelegenheit findet, frohgemut mit Adel, Offizieren und sonstigen Leuten zusammen, die den Juden doch nie in ihr Haus einlassen würden; sie treten in Körperschaften ein, deren Abneigung gegen jüdische Mitglieder bekannt ist, wenn ihnen die Fürsprache eines einflußreichen Christen die sonst so spröden Pforten öffnet. Denn wenn sie sich zurückzögen, so belehren sie uns gewichtig, würden sie damit nur zeigen, daß sie diesen lächerlichen Anachronismus als dauernd geworden erachten und so gewissermaßen selbst anerkennen. Wenn wir Juden heute Kämpfer sein müssen, so ist der Kampf, der uns jüdischen Akademikern aufgenötigt wird, ein besonders schwerer, nicht nur, weil wir die berufenen Führer im deutschen Judentume sine, oder weil der wirtschaftliche Antisemitismus in wachsendem Maße gerade uns unerbittlich eine Position nach der andern entreißt und immer enger den Kreis der akademischen Berufe schnürt, in denen wir als Juden unser Brot finden, sondern nicht zum wenigsten darum, weil gerade wir die kränkendste Form der Judenfeindschaft, den gesellschaftlichen Antisemitismus, mehr als andere in seiner ganzen Wucht zu fühlen bekommen und uns unaufhörlich gegen ihn zu wehren haben. Und dieses Kämpfertum beginnt, wenn der jüdische Abiturient die Universität bezieht. Der jüdische Student von heute, mehr als jeder andere junge Jude, muß sich klar darüber sein, ist er nicht gewillt, als ein Narr durch die Welt zu gehen und Gefahr zu laufen, daß ihm das feine Gefühl für seine Würde als Mensch und Jude allmählich abhanden kommt, daß solche nur allzu bequeme Art,

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