Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 4 (20.7.1911)
- Date
- 1911-07-20
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Der jüdische Student 113 dabei sind, entstehen Differenzen und Entzweiungen." Das ist das Beruhigende und Versöhnliche in all den Kämpfen, die wir auf dem Kongreß erleben: daß die Gegner, die sich so erbittert befehden, doch alle ausgezeichnete Zionisten sind und sich in der Liebe zum Volke und zu Palästina alle finden. Wir dürfen das nie vergessen; wir werden dann nicht, wie manche zionistischen „Politiker", dazu kommen, in unseren eigenen Reihen Siege erkämpfen und Niederlagen bereiten zu wollen. Solange wir Zionisten sind, können und müssen wir uns in Güte verständigen. Es gibt darum nichts Törichteres, als aus der „Niederwerfung der Russen" einen Programmpunkt zu machen. Es ist nicht leicht, in die gewöhnliche Welt zurückzukehren wenn der Kongreß zu Ende ist. Für eine kurze Woche war das Golus überwunden, lebten wir als Juden in jüdischem Lebenskreise, vergaßen wir, wie sehr wir doch im Grunde noch um unsere Existenz zu kämpfen haben. Aber das Schönste vielleicht, was man vom Kongreß mitnimmt, ist die Freude an aller jüdischen Arbeit und die Erkenntnis, daß der Erfolg uns schließlich doch sicher ist. Denn auf dem Kongreß haben wir den Zionismus, von allen Zufälligkeiten losgelöst, in einer greifbaren und unzerstörlichen Realität gesehen. Gerade uns V. J.St.-ern tut diese gesicherte zionistische Atmosphäre besonders wohl. Wir, die wir innerhalb und außerhalb unserer Korporationen im täglichen Kampf um den Zionismus stehen, genießen doppelt diese Zeit des ruhigen Besitzes. Denn das ist das Einzigartige des Kongresses: daß auf dem Kongreß der Zionismus an sich der Diskussion enthoben ist. Er ist kein Problem mehr, sondern die breite und selbstverständliche Basis. Die kurzsichtigen Versuche, den B. J. C. für diese oder jene «ephemere Parteirichtung im Zionismus einzufangen, sind bisher glücklicherweise noch gescheitert. So sind wir V. J. St.-er als Gesamtheit ein naives und dankbares Kongreßpublikum und können uns vorurteilslos an dem vielen Schönen erfreuen, was uns in Basel erwartet. Immerhin muß jeder die Gelegenheit benutzen, sich nach Möglichkeit über die Dinge, um die es sich handelt, und vor allem auch über die leitenden Personen zu orientieren. Wer einmal zionistisch etwas leisten will, muß darüber genau Bescheid wissen. So seien nicht nur die Kongreß-