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Der jüdische Student · 1911-06-20 · Heft 3 (20.6.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 3 (20.6.1911)
Date
1911-06-20
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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92 Der jüdische Student jüdischen Schuljugend mit jüdischer Lektüre darstellen. In der offiziellen national. n Agitation spielt die literarische Propaganda bisher keine wesentliche Rolle. Wir haben Bücher von gutem Agitationswert, aber außer uns liest sie niemand. Das hat seinen Grund einmal in dem Mangel eines verbreiteten jüdischen Buchhandels, vor allem eines speziellen Agitationsbuchhandels. Und dann haben die „Erwachsenen" keine Zeit und Ruhe zum Lesen. So besuchen sie allenfalls Vorträge. Anders liegen die Verhältnisse bei der Schuljugend. Für sie kommt, wie schon erwähnt, die öffentliche Versammlungsagitation kaum in Betracht. Dagegen liest der jüdische Primaner im allgemeinen gern und viel — und außerdem alles,, was man ihm in die Hand gibt. Die Mängel des bisher auf wenige größere Städte beschränkten jüdischen Buchhandel- und Bibliothekenwesens aber müssen wir V. J. Ster durch unsere Tätigkeit und Opferwilligkeit überwinden helfen. Dabei kommt unserer Sache unsere Zerstreutheit über alle Teile des Reiches zu gute. Unser Ziel, die persönlichste und eigenste Aufgabeunserer Bundesbrüder muß die Verbreitung modernen jüdischen Lesestoffes unter der Schuljugend werden. Auf jugendliche, leistungsfähige, von dem Opportunismus der Alten noch nicht angekränkelte Menschen wirken unsere guten jüdischen Bücher fast immer und meistens tief und nachhaltig. Ein jüdischer Junge, der einmal Herzls geniales Schöpfertum und die Macht seines Willens und seiner Liebe noch in seinen Schriften ahnen durfte, der Nordaus hinreißende Beredsamkeit noch in seinen gedruckten Reden und Aufsätzen empfinden konnte, der in Dubnows „Grundlagen des Nationaljudentums" die Vorbegriffe und in Achad Haams und Mathias Achers Schriften die Grundbegriffe des jüdischen Nationa ismus kennen gelernt hat, der einen Blick in die Welt des „Jüdischen Almanachs" getan und das erste Verständnis für die Menschen gewonnen hat, die um die Renaissance ihrer Gefühle und Erkenntnisse ringen, — ein solcher Junge ist zum mindesten für die anderen bald verloren. Und danach bald für uns gewonnen.*) *) Anmerkung: Daß uns hierbei unser eigener Almanach sehr zustatten käme, sei eine Mahnung an seine „Mitarbeiter".

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