Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 8 (1911-1912)
- Issue
- Heft 1 (20.4.1911)
- Date
- 1911-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Der jüdische Student. 2. Mit dem Anwachsen des V. J. St'er in Posen ist es unvermeidlich gewesen, daß nicht ihre zionistische Gesinnung und Tätigkeit bekannt wurde. Als im vorigen Jahre unter den Muli eine Anzahl von Zionisten und jüdisch interessierten Leuten waren, fiel es uns nicht so schwer, diese für uns zu gewinnen. Die Generation dieses Jahres war fast durchweg jüdisch uninteressiert, wurde erst von uns mit jüdischen Dingen vertraut gemacht und bewogen, in die Schülerverbindung „Jvriau einzutreten, deren „A. H. A. H." sich zum großen Teile aus unseren Bundesbrüdern zusammensetzen. Dort aber gerieten sie während der Abwesenheit der Aktiven unter den Einfluß der K. C'er — Referendare, die hier sehr zahlreich sind und sehr elegant auftreten, damit ist für uns das Spiel verloren. 2. Aber Ihr werdet sagen; Macht die Jungens zu Zionisten und zeigt ihnen die Unhaltbarkeit und Oberflächlichkeit der K. C'er — Tendenz. Der Versuch ist gemacht, nicht nur von uns, sondern sogar mehrfach von einem so berufenen Bundesbruder wie Blumenfeld. Der Erfolg war Null. Warum? Weil die Jungens sich „gesellschaftlich" zu heben hoffen, wenn sie mit dem Anschluß an den K. C. sich das Recht erwerben, in verschiedenen Familien der Posener jüdischen Geldaristokratie verkehren zu dürfen, dann aber vor allem deswegen, weil in Posen die Zionisten und ihr Anhang gesellschaftlich in keinem guten Rufe stehen. Es ist fraglos, daß das oft takt- und formlose Vorgehen hiesiger bekannter Zionisten dazu geführt hat, daß man die Zionisten in Posen als Schreier und Stunkmacher betrachtet. Ich bin der letzte, der Kompromisse mit anderen Parteien im Judentum schließen würde, ich sehe es ein, wie unbedingt nötig es ist, so scharf als möglich unsere nationalen Anschauungen zu betonen und jede Verwischung der zionistischen Forderungen zu verhindern, ja ich halte sogar einen gewissen Teil der deutschen Judenheit für uns verloren, aber ich halte es für unersprießlich für die zionistische Bewegung, wenn alle, die nicht ihre Anhänger sind, aufs schärfste verdammt, für unanständige Menschen erklärt und so ironisch und von oben herab behandelt werden, daß sie mit Gewalt von uns abgedrängt werden. Dieses hier übliche Vorgehen wirkt selbstverständlich auf unsere Keilarbeit zurück. — Wenn trotzdem die Keilaussichten in Posen-Stadt für das nächste Jahr ziemlich gute sind, so liegt dies eben daran, daß es in unermüdlicher Arbeit uns gelungen ist, einige Leute dem Zionismus nahe zu bringen. In der Provinz Posen blüht für uns auch nicht viel Weizen. In vielen kleinen Städten gibt es keine V. J. Sf er, und systematische Keilreisen werden nicht gemacht. Er ist übrigens auffallend, daß unsere Bundesbrüder es verschmähen, sich in kleinen Städten, wo ihnen eine sichere Existenz winkt, nieder-