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Der jüdische Student · 1911-04-20 · Heft 1 (20.4.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 1 (20.4.1911)
Date
1911-04-20
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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24 Der jüdische Student. dieser Kette zu fühlen, gibt allein den Einklang mit der Welt und vermag uns frei und glücklich zu machen, wie Goethe einmal sagt, „daß der einzelne nur frei und glücklich sein kann, wenn er den Mut hat, sich im ganzen zu fühlen." Dieses Freiheits- und Qlücksgefühl ist aber nur dann möglich, wenn man der Verpflichtung genügt, sein Dasein so einzurichten, daß es weiterwirken kann und darf. Ihm entspringt eine neue Liebe, die stärker ist als jede andere, weil sie ethisch gegründet ist, zu jenem Ganzen, zu unserm Volk, zu seinem Geist, zum Lande, daß seine Zukunft trägt*), und nicht zuletzt auch zum B. ]. C. In dieser Liebe hat Herzl seine Menorah geschrieben, zu dieser Liebe bekennt sich Moses Heß, wenn er erzählt, wie ihm die Feste seines Volkes wieder lieb geworden sind, ihm, der auch nicht mehr hatte das Kaddisch sagen können. Dieses Patriotismus ist an sich auch der assimilierteste Jude fähig. Denn auch wir sind Kinder jüdischer Eltern, sind auch Resultat jüdischer und nur jüdischer Geschichte und die Assimilation ist auch eine Erscheinung der Historie unseres Volkes. Daß der Jude des Ostens ihn ebenso bedarf, wie wir, sagt uns Achad-Haam und lehrt uns auch die Geschichte. Denn sonst hätten unsereVäter, die sich vom Ghetto befreiten, nicht den Weg zur Assimilation gehen dürfen, sondern den Achad-Haams. Es mag der Patriotismus des Ostjuden blutvoller sein, als der unsere, weil die ganze Fülle seines Lebens aus dem Judentum fließt, weil er nicht nur historisch bedingt ist, weil nicht nur sein Blut und seine Stellung zur Welt durch die Väter bestimmt ist, sondern er auch den Inhalt seines Geisteslebens von den Vätern empfing und fortzuentwickeln hat. Vielleicht ist aber unser Patriotismus, weil er eindeutiger ist, auch umso klarer, bestimmter und ausgeprägter und auch umso ernster und bitterer. Im Wesen jedenfalls ist er überall gleich, nicht nur bei uns, sondern in jedem Volke, bei jedem Patrioten. Aber selbst diese Unterschiede gelten nicht für die Juden Deutschlands; denn unsere Kultur ist überall deutsch. Doch *) A. H. Zlocisti erzählte, als er aus Palästina zurückkam, daß ihn beim Betreten des Landes nicht seine Heiligkeit ergriff, sondern er nur den einen Wunsch empfand: „Wie bekommen wir das Land möglichst schnell in unsere Finger?" Liebe zum Lande der Zukunft, nicht der Vergangenheit. Seine historischen Einflüsse liegen zu weit zurück, als daß wir unser Dasein noch von ihm bedingt fühlen könnten.

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