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Der jüdische Student · 1911-04-20 · Heft 1 (20.4.1911) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
8 (1911-1912)
Issue
Heft 1 (20.4.1911)
Date
1911-04-20
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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Der jüdische Student. 23 ein Mißverstehen als ein wirkliches Auseinandergehen der Ansichten und Absichten vorliegen. Daß der B.J.C. nur dann seine Aufgabe wirklich erfüllt, wenn seine Mitglieder in ihm und durch ihn zu guten Zionisten werden, darüber scheint man sich heute völlig einig zn sein. Auch die Vertreter Süddeutschlands und ebenso Ludwig Mayer in seinem Artikel nehmen nur noch eine besondere Arbeitsmethode in Anspruch. Aber auch das ist unberechtigt Denn einmal glaube ich nicht, daß die psychischen Grundlagen für den Zionismus in Ost und West so grundverschieden sind, wie sie sein müßten, wenn wirklich die Methoden wesentlich andere sein sollten, noch ist es richtig, daß unsere süddeutschen Bbr. Bbr. so wenig westlich sind, daß sie einen besonderen Weg gehen müßten. Gewiß sind die Unterschiede in unserm von Haus zu Haus gegebenen Verhältnis zum Judentum nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung des einzelnen zum Zionismus, aber sie sind nicht entscheidend. Denn — und dies muß man klar erkennen — unsere Forderung ist eine „Regeneration des Herzens", wie Achad-Haam sie genannt hat, und es ist auch die gleiche, die er dem Judentum des Ostens predigt. Nur der Weg, der uns zu dieser Forderung führte, ist verschieden; da es sich aber wirklich um eine ^Regeneration des Herzens" handelt, um etwas völlig Neues, um einen Bruch mit unserm alten Leben, so ist sie unabhängig von diesem Weg. Sie kann und muß daher für alle in gleicher Weise gefordert werden, und sie kann allein die Grundlage eines wurzelechten Zionismus sein. Es ist nun die große Gefahr, der Ludwig Mayer nicht entgangen zu sein scheint, an die Stelle eines Patriotismus, den uns allein eine „Regeneration des Herzens" geben kann, und der vielleicht identisch mit dem Zionismus ist, jedenfalls aber seine einzige und für ihn allein die Basis bildet, an die Stelle dieses Patriotismus eine andere Liebe zum Judentum, ein sehr problematisches Zusammengehörigkeitsgefühl setzen zu wollen. Wie ist nun dieser Patriotismus? Vielleicht ist er nicht mehr als das zugleich demütigende und erhebende Bewußtsein, daß der einzelne nichts ist, wenn nicht das Glied eines Ganzen; daß wir nur sind, weil andere vor uns waren, und darum so sind, wie wir sind, und daß darum nur dann unser Dasein einen Sinn erhält, wenn es in unseren Enkeln weiterwirkt, wie das Dasein der Väter in uns. Sich als Glied

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