Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 7 (1910-1911)
- Issue
- Heft 12 (März 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537678-3537690--1842-3539953- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der jüdische Student. Langsam gleitet das Boot dahin. Niemand spricht. Die kühle Nachtluft streicht erfrischend über unsere Glieder, und wir genießen in großen Zügen die hehren Wunder der Natur. Nicht lange, da wird die Stille gestört durch den Lärm eines Restaurants, das noch von Gästen reich besucht ist. Hier wird eine kurze Rast gemacht. Aber bald setzen wir unsere Fahrt fort. Schon sind die Umrisse der Ufer deutlich zu erkennen, und leichte Nebel steigen vom Wasser empor. Denn im Osten kündet ein rötlicher Schimmer das Nahen des jungen Tages. Vereinzelt tauchen auch schon andere Fahrzeuge auf und unterbrechen die friedliche Ruhe des werdenden Lichts. Bald aber hebt sich der rote Sonnenball über den Horizont empor, und auch wir sind am Ort. Diese Nachtfahrten sind Tradition geworden. Einmal in jeder Saison treffen wir uns mit den Bbr. Bbr. in Treptow zu einer Kneipe und machen hinterher diese Nachttour. Auch in diesem Sommer wird sie hoffentlich stattfinden. Und da werden die A. H. A. H. sehen, daß wir doch weiterkommen. Konnten wir bisher nur mit zwei Booten ihnen unter die Augen treten: dies Jahr sollen sie unser neues — drittes — Boot zu sehen bekommen. Denn zu Beginn dieser Saison, unserer vierten, werden wir in unseren neuen Räumen einen neuen Vierer feierlich weihen. Ja, neue Räume haben wir auch. Dadurch, daß vor zwei Jahren der jüdische Jugend-Bund Berlin unserm Beispiel folgte und mit unserer Unterstützung eine Ruderabteilung gründete, die ständig an Ausdehnung zunimmt, reichten unsere alten Räumlichkeiten in Grünau nicht mehr aus, und am l.März 1911 zogen wir mit der R. A. des J. J. B. zusammen nach Nieder- Schöneweide. Mögen der Ruderabteilung der V. J. St.en in ihrem neuen Heim ebenso frohe und erfolgreiche Jahre beschieden sein wie im alten. Floreat! Vivat! Crescat! Kurt Pick, V. J. St. Charlottenburg X X.