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Der jüdische Student · 1911-03-01 · Heft 12 (März 1911) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
7 (1910-1911)
Issue
Heft 12 (März 1911)
Date
1911-03-01
Page
[Seite] (sequence 57)
Language
German
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365 Man begegnete uns mit Achtung, denn wir waren der erste Ruderverein in Deutschland, der mit seinem Judentum nicht Versteck spielte, sondern es offen auf seine Fahne schrieb. Und weil wir das taten, mußten wir auch sehen, dem Judentume Ehre einzulegen. Darum setzte auch von Anfang an ein strammes Training bei uns ein. Der Erfolg blieb nicht aus. Waren wir zu Beginn alle ungeübte Ruderer, so hatten wir zu Pfingsten schon die erste mehrtägige Tour in unserm Fahrtenbuch zu verzeichnen. Unsere sonntäglichen Kaffee- und Lagerfahrten lehrten uns die schöne Umgebung Berlins schätzen und lieben. Und diese Lagerfahrten boten noch manch anderes. Auf diesen Touren kamen wir uns innerlich immer näher, und ein noch engeres Band umschlang uns als bisher. Im Juli konnten wir unseren A. H. A. H. zeigen, was wir schon erreicht hatten und wie weit wir waren. Mit der Bahn fuhren die A. H. A. H. und andere Bbr. Bbr. nach Treptow in die „Abtei", während die R. A. sich mit ihren beiden Booten auf dem Wasserwege von Grünau aus dorthin begab. Auf eine eingehende Besichtigung der R. A. schloß sich eine kleine Kneipe, bei der die Ruderer durch ihre starke Temperenz auffielen. Nach Schluß der Kneipe folgte eine Nachtfahrt per Boot nach Grünau zurück. Eine solche Nachtfahrt gehört wohl zu dem Schönsten, das der Rudersport bietet. Zunächst begleitete man uns bis ans Wasser und beobachtete interessiert die Vorgänge beim Bemannen der Boote. Dann stießen wir vom Lande. Noch das Kommando: „Alles fertig! — Los!! und allmählich verschwinden die am Ufer Winkenden im Dunkel. Bald verschwinden auch die letzten Lichter hinter uns. Und wir befinden uns allein auf dem stillen Wasser. Rechts und links gleiten die dunklen Gebüsche des Ufers vorbei, gespenstisch beleuchtet von dem blauen Lichte des blassen Vollmonds. Und alles spiegelt sich in dem Dunkel des ruhigen Wassers. Nichts unterbricht die große Stille. Nur gleichmäßig klingt das taktmäßige Rollen der Sitze und Eintauchen der Ruder und läßt die Ruhe nur um so größer erscheinen.

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